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Nach dem Hochwasser: Sperrmüll drückt in den Verbrennungsmarkt

Sperrmüll vor einem Wohnhaus
Viele MVA-Betreiber schaffen gerade Platz für den
angefallenen Sperrmüll. (Symbolbild)
22.07.2021 − 

Die bei der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands angefallenen Sperrmüllmengen werden in den kommenden Tagen und Wochen in den Verbrennungsmarkt drücken. Das wird zu Lasten der Gewerbeabfallentsorgung gehen, weil die hoheitliche Sperrmüllentsorgung Vorrang genießt.

Die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) hat darauf hingewiesen, dass es in Einzelfällen zu Engpässen bei der Entsorgung von Gewerbemüll kommen kann.

Der Müll muss weg, sonst drohen Hygieneprobleme

Zuverlässige Schätzungen der über die in Folge der Naturkatastrophe anfallenden Sperrmüllmengen sind derzeit noch nicht möglich. Erst nach und nach lasse sich erfassen, wie viel zusätzlicher Abfall tatsächlich angefallen ist, sagte der Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp. "Aber schon allein der optische Anblick macht an vielen Orten klar: Es werden signifikante Volumina sein", so Hasenkamp weiter.

"Der Müll muss weg. Und das schnell, um Hygieneprobleme zu vermeiden und Verkehrshindernisse aus dem Weg zu räumen", sagte Hasenkamp. Vieles müsse wohl verbrannt werden. "Möbel und andere Gegenstände, die durch das Hochwasser unbrauchbar geworden sind, eignen sich nicht für ein stoffliches Recycling", erläuterte Hasenkamp, der Chef der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster ist.

Die Müllverbrennungsanlagen müssen es richten

Die Betreiber von Altholzkraftwerken haben gegenüber EUWID bereits abgewunken. Zu feucht, zu verdreckt sei der beim Hochwasser angefallene Sperrabfall für die Biomassekraftwerke, hieß es aus der Branche.

Die Müllverbrennungsanlagen werden es daher im Wesentlichen richten müssen. "Die Mitgliedsunternehmen tun alles, um diese riesige Herausforderung zu meistern", sagte ITAD-Geschäftsführer Carsten Spohn. Die gesamte Entsorgungsbranche arbeite eng zusammen, um die nötigen Kapazitäten für den Transport, die Sortierung und die thermische Behandlung zur Verfügung zu stellen.

"Die Absprachen innerhalb der betroffenen Regionen laufen", so Spohn weiter. "Im Fokus stehen dabei vor allem die Berge von Sperrmüll, die jetzt schon aus den überschwemmten und unter Wasser gesetzten Gebieten angeliefert werden und die in den kommenden Tagen und Wochen noch zu erwarten sind."

AVG Köln stellt 1.000 Tonnen Verbrennungskapazität pro Woche zur Verfügung

Die AVG in Köln hat vor einigen Tagen als erstes reagiert und spontan 1.000 Tonnen zusätzliche Verbrennungskapazität pro Woche für Sperrmüll aus den Hochwassergebieten bereitgestellt. "Wir haben Kapazitäten geschaffen, um Abfälle aus dem Hochwassergebiet aus Köln, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Euskirchen aufzunehmen und zu verwerten", sagte der Sprecher der AVG-Geschäftsführung, Andreas Freund. "Selbstverständlich ist die sichere Verwertung der Kölner Abfallmengen gewährleistet. Für uns ist es jedoch auch ein Gebot der Nachbarschaftshilfe, den umliegenden Kreisen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen."

Die Abfälle aus den betroffenen Gebietskörperschaften entlang der Eifelflüsse Ahr, Erft, Rur werden derzeit zunächst zu zentralen Sammelstellen gefahren. Dort wird der Abfall grob vorsortiert, weiße Ware wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Trockner werden aussortiert.

Der Rest – vor allem Sperrmüll – wird anschließend auf große Transport-Lkw geladen und nach Köln-Niehl gefahren. Hier findet die weitere Sortierung statt. Der nicht verwertbare Rest wird verbrannt. Derzeit prüft die AVG, ob weiterer Mengen aus den Kreisen Euskirchen und Rhein-Erft in den eigenen Verwertungsanlagen angenommen werden können.

MVA Bonn nimmt keinen Gewerbeabfall mehr an

Auch bei der MVA in Bonn wird Platz geschaffen für die Sperrmüllentsorgung. Nach Angaben der SWB Verwertung wurden am Sonntag 250 Tonnen, am Montag und Dienstag jeweils mehr als 1000 Tonnen Abfall pro Tag aus den Überschwemmungsgebieten angeliefert.

Die Annahme von Gewerbeabfällen hat der MVA-Betreiber nach eigenen Angaben derzeit komplett eingestellt, damit im Bunker mehr Lagervolumen für den Sperrmüll vorhanden ist. (eigener Bericht/dpa)

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