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Weltwirtschaftsforum und UN fordern grundlegenden Wandel im E-Schrottbereich


E-Schrotthalde Agbogbloshie in Ghana.
25.01.2019 − 

Für einen Neustart im Elektronikbereich hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft haben sich verschiedene private und staatliche Organisationen im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos ausgesprochen. Sie fordern dabei auch eine neue Vision für die Produktion und Nutzung von Elektro- und Elektronikgeräten, um das Problem der wachsenden E-Schrottberge nicht nur auf die Nachnutzungsphase zu reduzieren. Eine Reihe von Akteuren – von Designern und Herstellern über Rohstofflieferanten und Recycler bis hin zu Verbrauchern und politischen Entscheidungsträgern – könnte dazu beitragen, die Lebensdauer von Geräten durch Reparatur und Wiederverwendung zu verlängern, Abfallmengen zu reduzieren und werthaltige Materialien durch Recycling zu erhalten. „Die Möglichkeiten sind endlos“, heißt es in einem Papier der Platform for Accelerating the Circular Economy (Pace), das gestern vom Weltwirtschaftsforum vorgestellt wurde.

Schätzungen zufolge liegt das weltweite Aufkommen an Altgeräten bereits bei knapp 50 Mio Tonnen im Jahr. Den Wert der darin enthaltenen Materialien beziffert der Bericht auf über 60 Mrd US-Dollar – mehr als die jährliche Wirtschaftsleistung der meisten Staaten. Gleichzeitig gelangten aber gegenwärtig nur rund 20 Prozent des globalen Aufkommens an E-Schrott in offizielle Sammel- und Verwertungskanäle. Die übrigen Altgeräte landeten auf Deponien oder würden unsachgemäß behandelt, was enorme Probleme für Umwelt und Gesundheit mit sich bringe, beklagt die Platform, die unter anderem vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen angeführt wird.

Angesichts der gegenwärtig unzureichenden Behandlung der Altgeräte sowie von Prognosen, wonach der Berg an E-Schrott bis 2050 auf eine Menge von 120 Mio Tonnen im Jahr anwachsen könnte, sieht die Platform dringenden Handlungsbedarf auf allen Ebenen. Es sei an der Zeit, das Thema Elektroschrott zu überdenken, die Elektronikindustrie neu zu bewerten und das System zum Nutzen der Industrie, der Verbraucher, der Arbeitnehmer, der menschlichen Gesundheit und der Umwelt neu zu starten.

Aus Sicht von Pace stelle ein derartiger Neustart eine beispiellose Chance für globale Unternehmen, politische Entscheidungsträger und Arbeitnehmer weltweit dar. Das vorherrschende Modell des „Take, Make and Dispose“ habe Folgen für die Gesellschaft, negative Auswirkungen auf die Gesundheit und trage zum Klimawandel bei. Daher sei es Zeit für ein System-Update, bei dem die Kreislaufwirtschaft das bisherige lineare Verbrauchsmodell ersetzt. Die Erhöhung der Materialeffizienz, der Aufbau von Infrastruktur für Sammlung und Recycling sowie die Erhöhung von Menge und Qualität der recycelten Materialien seien dabei von entscheidender Bedeutung, heißt es in dem Papier weiter.

Wenn der Sektor von politischer Seite mit den richtigen Rahmenbedingungen unterstützt werde, könnten weltweit mehrere Millionen neuer Arbeitsplätze unter menschenwürdigen Bedingungen entstehen, ist Pace überzeugt. Auch die Verbraucher könnten von einem Kreislaufwirtschaftsmodell im Elektronikbereich erheblich profitieren. Ihre Kosten könnten bis 2030 um sieben Prozent und bis 2040 sogar um 14 Prozent sinken.

Der vom Weltwirtschaftsforum ausgerichteten Plattform gehören neben der UN auch die Ellen Mac Arthur Stiftung, verschiedene Elektronikhersteller wie beispielsweise Philips und Dell und HP, staatliche und internationale Organisationen sowie die Entsorgungskonzerne Veolia und Suez an.

Den kompletten Bericht lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 5/2019. Der Artikel steht bereits in unserem E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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