MSE, Easymining und Gelsenwasser kooperieren beim Phosphor-Recycling

P-Recyclinganlage bei der Monoverbrennungsanlage in Walheim geplant

Die EnBW-Tochter Mobile Schlammentwässerung GmbH (MSE), das Wasser- und Abwasserunternehmen Gelsenwasser und die Deutschland-Tochter des schwedischen Recyclers Easymining kooperieren bei der Phosphor-Rückgewinnung. Wie MSE in der vergangenen Woche mitteilte, soll die geplante Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage von EnBW in Walheim einer der ersten Standorte Europas sein, an der das Ash2Phos-Verfahren von Easymining zum Einsatz kommt. Die Schweden haben das Ash2Phos-Verfahren entwickelt, Gelsenwasser hat es sich exklusiv für den deutschen Markt gesichert.

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine bekommt nicht nur die Energieversorgung, sondern auch die Rückgewinnung von Phosphor eine neue, strategische Bedeutung: Denn Deutschland und Europa sind massiv auf den Import von Rohphosphaten angewiesen. „30 Prozent der Rohphosphate stammten bislang aus Russland“, sagte Rudolf Turek von MSE im Gespräch mit EUWID. Nun stehe nur noch Marokko als Exporteur zur Verfügung.

Mehr Unabhängigkeit mit P-Recycling

Mehr Unabhängigkeit geht nur mit Recycling. Für den süddeutschen Raum wollen MSE, Easymining Germany und Gelsenwasser miteinander kooperieren. Grob gesagt liefern Easymining und Gelsenwasser die Technik, MSE liefert den Klärschlamm. Im vergangenen Sommer hatte die MSE-Mutter EnBW angekündigt, in Walheim im baden-württembergischen Landkreis Ludwigsburg eine Klärschlammverbrennungsanlage zu errichten (EUWID 24/2021). Das Unternehmen will an dem Unternehmensstandort eine Monoverbrennungsanlage für rund 180.000 Tonnen entwässerten Klärschlamm errichten. Das sind umgerechnet rund 45.000 Tonnen Trockensubstanz.

In Walheim betreibt EnBW ein Kohlekraftwerk mit zwei Blöcken, die seit 1962 beziehungsweise 1967 in Betrieb sind. Anfang der Achtzigerjahre hat das Unternehmen zusätzlich eine mit leichtem Heizöl befeuerte Gasturbine in Betrieb genommen. Die beiden Kohlekraftwerksblöcke sind von der Bundesnetzagentur bis mindestens März 2023 als systemrelevant eingestuft worden. Eine endgültige Stilllegung der Blöcke sei zu diesem Zeitpunkt angedacht, stehe aber noch unter dem Vorbehalt der Entscheidung der Bundesnetzagentur, so EnBW im vergangenen Sommer. Die Gasturbine will der Energieversorger weiter betreiben.

70.000 Tonnen regionales Aschepozenzial

An diesem Standort wollen die Karlsruher Anfang des kommenden Jahres mit dem Bau der Klärschlamm-Monoverbrennungsanlage beginnen. Die Inbetriebnahme ist für 2025 vorgesehen. „Mittelfristig ist zudem eine bauliche Erweiterung angedacht, um zusätzlich aus der anfallenden Asche Phosphor zurückgewinnen zu können“, hatte EnBW-Projektleiter Andreas Pick gesagt. Das P-Recycling soll nun in einer Kooperation von Easymining, Gelsenwasser und EnBW umgesetzt werden. Einen Zeitplan gibt es öffentlich noch nicht, auch über die geplante Größe der Anlage schweigen die Verantwortlichen bislang. Allerdings soll die Anlage wohl nicht nur Phosphor aus den Aschen der eigenen Verbrennungsanlage zurückgewinnen, sondern auch Aschen aus anderen Verbrennungsanlagen der Region. Turek schätzte das regionale Inputpotenzial auf rund 70.000 Tonnen Klärschlammasche pro Jahr.

Ash2Phos-Verfahren reichert Störstoffe ab

Beim Ash2Phos-Verfahren von Easymining wird der Phosphor in Form von Calciumphosphaten zurückgewonnen. Calciumphosphate werden zur Herstellung so genannter „Superphosphate“ verwendet. Das sind in der Landwirtschaft beliebte, granulierte, wasserlösliche und schnell wirksame Phosphatdünger. Turek zufolge spricht für das Easymining-Verfahren auch die Abreicherung von Störstoffen innerhalb des Prozesses. Schwermetalle werden also nicht „verdünnt“ und über die Düngung wieder in den Boden eingetragen, sondern abgeschieden und können anschließend separat recycelt werden.

In Deutschland darf das Ash2Phos-Verfahren ausschließlich von Gelsenwasser verwendet werden. Bereits Ende 2020 hatten sich die Gelsenkirchener die Exklusivrechte für die Anwendung des Verfahrens in Deutschland gesichert. Daher ist Gelsenwasser bei der Kooperation mit MSE mit im Boot. Ende des vergangenen Jahres hatten die beiden Partner das Gemeinschaftsunternehmen Phosphorgewinnung Schkopau GmbH (PGS) gegründet. Die PGS soll in diesem Jahr auf dem Gelände des Chemieparks Schkopau in Sachsen-Anhalt eine Demonstrationsanlage für zunächst 30.000 Tonnen Klärschlammasche bauen (EUWID 51/2021).

Gelsenwasser und Easymining haben ambitionierte Ziele: Die beiden Unternehmen wollen in Deutschland zusammen Recyclingkapazitäten für Phosphor aus Klärschlammaschen von insgesamt 300.000 Tonnen aufbauen – innerhalb der nächsten zehn Jahre. Das entspräche etwa der Hälfte des zukünftigen Ascheaufkommens in Deutschland.

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