Private Entsorger in Bayern klagen über Personalmangel, hohe Energiepreise und zu viel Bürokratie

Der wachsende Personalmangel, die hohen Energiepreise und ausufernde Bürokratie stellen aktuell die größten Herausforderungen für private Entsorgungsunternehmen in Bayern dar. Zu diesem Ergebnis kommt der Verband der Bayerischen Entsorgungsunternehmen (VBS) nach einer Rundreise bei Mitgliedsunternehmen.

Auf dem bayerischen Arbeitsmarkt herrsche bereits seit längerem nahezu Vollbeschäftigung. Dadurch fehlten auch in der Entsorgungsbranche Arbeitskräfte, so der VBS. Vor allem bei LKW-Fahrern gebe es einen starken Bedarf. Der überwiegende Teil der bayerischen Entsorgungsbetriebe sei familiengeführt, biete Beschäftigten sichere Festanstellungen, faire Einkommen, geregelte Arbeitszeiten und vielfältige Karrieremöglichkeiten, hebt der Verband hervor. „Wir bieten darüber hinaus sinnstiftende Arbeitsplätze, denn die Kreislaufwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Hierauf sollten wir immer wieder hinweisen, um die Branche gerade auch für die klimabewusste junge Generation noch interessanter zu machen“, so VBS-Präsident Stefan Böhme.

Die aktuellen Probleme im Energiebereich treffen die Branche vor allem durch den stark gestiegenen Dieselpreis und bei der Gasversorgung. So stelle der Dieselpreis häufig einen wesentlichen Kostenbestandteil bei Entsorgungsdienstleistungen dar. Aktuell seien viele Kommunalaufträge aufgrund der deutlich gestiegenen Dieselpreise nicht mehr auskömmlich. In dieser Ausnahmesituation sollten kommunale Auftraggeber daher Verständnis zeigen und sich pragmatischen Lösungen nicht verschließen, fordert der Verband.

Darüber hinaus könnte der drohende Gasmangel auch erhebliche Auswirkungen auf die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft in Deutschland haben, warnt der VBS. Da der Wirtschaftszweig als Teil der Kritischen Infrastruktur einen besonderen Stellenwert einnehme, müsse die Gasversorgung in den Unternehmen zur Aufrechterhaltung der Betriebsabläufe gewährleistet bleiben – zumindest dort, wo eine Substituierung durch andere Brennstoffe kurzfristig technisch oder rechtlich nicht möglich sei. „Wenn die Entsorgung nicht mehr sichergestellt werden kann, dann werden auch die abfallerzeugenden Gewerbe- und Industriebetriebe irgendwann nicht mehr ihren Betrieb aufrechterhalten können. Stellen Sie sich mal einen Schlachthof vor, dessen Schlachtabfälle nicht mehr abgeholt werden,“ so Böhme.

Die Rückmeldungen aus den Mitgliedsunternehmen hätten zudem gezeigt, dass es regelmäßig Probleme mit ausufernder Bürokratie gibt, berichtet der Verband weiter. Genehmigungsverfahren würden sich teilweise über Jahre hinziehen und das Ausfüllen statistischer Fragebögen viel Zeit in Anspruch nehmen. Vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen binde das viel Zeit, die sinnvoller und produktiver für die Umsetzung von echten Zukunftsaufgaben eingesetzt werden sollte.

„Die Unternehmen unserer Branche sind bereit, durch ihre Investitionen, leistungsfähige Anlagen und innovative Verfahren einen Riesenbeitrag zum Klimaschutz und zur Versorgung mit Energie und Rohstoffen aus Abfällen zu leisten. Mehr Tempo bei Genehmigungsverfahren, mehr Freiraum für wirtschaftliche Entfaltung und den Turbo bei der Digitalisierung zünden: So schaffen wir Chancen für mehr dynamische wirtschaftliche Entwicklung, die wir jetzt in Deutschland dringend brauchen“, betont VBS-Präsident Böhme.

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