|  

Restmüll besteht zu zwei Dritteln aus Bioabfall und anderen Wertstoffen


Der mit Abstand größte Anteil im Hausmüll entfällt
in Deutschland weiterhin auf Bioabfälle.
28.07.2020 − 

Im Hausmüll werden weiterhin enorme Mengen an Wertstoffen entsorgt. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Infa durchgeführte Restabfallanalyse, deren Ergebnisse das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt heute in Berlin vorgestellt haben. So gehört lediglich ein Drittel des in den Hausmülltonnen enthaltenen Abfalls dort auch wirklich rein. Dominiert wird der Restabfall stattdessen vom Biomüll. Auf über 39 Prozent wird der Anteil der organischen Abfälle beziffert. Dies entspricht über 50 Kilogramm pro Einwohner und Jahr und mithin mehr als vier Mio Tonnen Bioabfall, der jedes Jahr in Deutschland über den Restabfall ungenutzt verloren geht.

Laut BMU und UBA wird somit ein Drittel aller Bioabfälle immer noch über den Hausmüll entsorgt. Das größte Wertstoffpotenzial innerhalb der Bioabfälle bilden die Garten-, Küchen- und Nahrungsabfälle mit einer jährlichen Menge von etwa 3,3 Mio Tonnen. „Bioabfall ist für die Restmülltonne viel zu kostbar, denn er lässt sich vollständig recyceln und liefert den Grundstoff für Kompost und Biogas“, betonte UBA-Präsident Dirk Messner.

Jährlich rund 700.000 Tonnen Kunststoff im Hausmüll entsorgt

Aber auch andere Wertstoffe wie Kunststoffe, Altpapier, Altglas und E-Schrott finden sich weiterhin in großen Mengen im Restabfall. Zusammen liegt ihr Anteil der Analyse zufolge bei fast 28 Prozent. Kunststoffe machen mit fast sieben Prozent den größten Anteil dieser sogenannten trockenen Wertstoffe aus. Damit werden jährlich 700.000 Tonnen Plastikabfälle über den Hausmüll entsorgt. Dies entspricht fast neun Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Verpackungen, zu denen auch Abfallsäcke und Kunststofftüten zählen, haben innerhalb der Kunststoffe einen Anteil von 60 Prozent am Gewicht, heißt es.

Für Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth landen angesichts dieser Zahlen immer noch zu viele wertvolle Rohstoffe in der Restmülltonne. „Um das zu ändern, muss das Trennen noch leichter werden. Unser Ziel ist eine echte Kreislaufwirtschaft, in der kaum noch Restmüll anfällt und die Rohstoffe wiederverwendet werden“, erklärte er.

Fast 6.000 Tonnen Altbatterien im Restmüll

Der Anteil der Problemabfälle im Restabfall liegt der Analyse zufolge bei 0,5 Prozent. Das entspricht rund 600 Gramm verschiedener Schadstoffe, wie z.B. flüssige Farben- und Lackreste, Lösemittel, Energiesparlampen, belasteter Bauabfälle sowie Altbatterien und -akkus, die pro Kopf jedes Jahr im Hausmüll entsorgt werden. In über 60 Prozent der Stichproben seien Batterien und Akkus gefunden worden, so das UBA. Im bundesweiten Durchschnitt verbleibt bei den Altbatterien und -akkus eine Menge von 70 Gramm pro Einwohner und Jahr im Restmüll und somit fast 6.000 Tonnen insgesamt. Angesichts einer Sammelmenge von insgesamt 27.600 Tonnen alter Gerätebatterien im letzten Jahr eine beträchtliche Menge.

Besonders großes Wertstoffpotenzial in städtischen Bereichen

Die Menge und Zusammensetzung des Hausmülls hängt stark von den Siedlungs- und Bebauungsstrukturen ab. In ländlich dicht besiedelten Gebieten, wie Kleinstädten und Vororten, liegt die gesamte Hausmüllmenge bei 110,5 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. In den städtischen Gebieten liegt dieser Wert hingegen bei 151,1 Kilogramm. Dazwischen liegt der ländliche Bereich mit 124,6 Kilogramm pro Kopf.

In städtischen Bereichen ist aber nicht nur die absolute Restabfallmenge am höchsten, sondern auch das darin enthaltene verlorene Wertstoffpotenzial. So werden der Studie zufolge dort pro Einwohner und Jahr fast 65 Kilogramm organischer Abfälle im Hausmüll entsorgt. Auch die in der Restabfalltonne entsorgten Mengen an Kunststoffen und Altpapier liegen in Städten mit fast zwölf bzw. rund zehn Kilogramm je Einwohner sehr hoch.

Verstärkte Information, haushaltsnahe Sammlungen ausbauen und Biotonnen verpflichtend einführen

Um gerade das vor allem im städtischen Bereich noch große Potential an Wertstoffen zu heben, sollte die bürgernahe Abfallberatung in den Kommunen weiter ausgebaut und durch gegenseitige Vernetzung und Information gestärkt werden, fordert das UBA. Darüber hinaus müssten die Angebote der haushaltsnahen Sammlung und Rücknahme unter anderem für Elektrogeräte und Batterien verbessert werden.

Außerdem drängt das Umweltbundesamt auf eine verpflichtende Einführung von Biotonnen. Eine freiwillige Biotonne oder eine Sammlung von Küchenabfällen an zentralen Sammelstellen sei kein Ersatz. Potenzial sieht die Behörde aber auch noch bei der Abfallvermeidung. Die Restabfallmenge habe sich zwar in Deutschland in den letzten 35 Jahren nahezu halbiert. Dennoch seien Maßnahmen zur Minderung des Abfallaufkommens von einzelnen Produkten sowie Konzepte zur Abfallvermeidung gefragt. Das UBA denkt dabei vor allem an Einwegprodukte sowie ein „bewussteres“ Einkaufs- und Konsumverhalten.

Den vollständigen Bericht zur Restmüllanalyse mit Blick auf weitere Abfallfraktionen und Einflussfaktoren für die Zusammensetzung des Hausmülls lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 32/2020. Die aktuelle Ausgabe enthält auch aktuelle Zahlen zur Restmüllzusammensetzung der Stadtreinigung Hamburg und zeigt wie weit die Hansestadt vom Bundesschnitt und den in der Infa-Analyse angegebenen Werten für Städtische Gebiete entfernt liegt. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die aktuelle Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − Planungen für neue Untertagedeponie in Heilbronn

Baden-Württemberg will RC-Baustoffen in öffentlichen Ausschreibungen Vorrang geben  − vor