|  

Hochwasser-Sperrmüll soll auch in anderen Bundesländern entsorgt werden

Sperrmüll
Der Sperrmüll aus den Hochwassergebieten muss
zwischengelagert werden (Symbolbild).
27.07.2021 − 

Sperrmüll und andere Abfälle aus den nordrhein-westfälischen Hochwassergebieten sollen auch in anderen Bundesländern entsorgt werden. "Die Abfallbeseitigung vor Ort ist an ihre Grenzen gekommen. Es braucht hier überregionale Hilfen", sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag vergangener Woche nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf.

Doch auch in anderen Teilen Deutschlands sind die Entsorgungskapazitäten für Sperrmüll revisionsbedingt aktuell eng, wie EUWID aus der Branche erfuhr.

Da die Müllverbrennungsanlagen im Westen und Südwesten Deutschlands dem zusätzlichen Aufkommen kaum Herr werden (siehe Artikel auf Seite 5), will die CDU-geführte Landesregierung die Zwischenlagerung rechtlich erleichtern. „Es können Zwischenlager eingerichtet werden“, sagte Laschet. Mit den Verbänden der Entsorgungswirtschaft – BDE, bvse und VKU – hat die nordrhein-westfälische Landesregierung eine überregionale Entsorgung vereinbart.

Zwischenlager dringend gesucht

Ohne zusätzliche Zwischenlagerkapazitäten wird eine koordinierte Abfallentsorgung aus den Katastrophenregionen nicht zu bewältigen sein. Aus Herten teilte die Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR) mit, in enger Abstimmung mit den Behörden im Moment eine zusätzliche Zwischenlager-Kapazität von 10.000 bis 15.000 Tonnen – verteilt auf verschiedene Standorte – geschaffen zu haben. Auch in Dortmund soll ein vorhandenes Zwischenlager genutzt werden, was genug Lagerkapazität für 6.000 Tonnen aufweist.

Auch in Rheinland-Pfalz ist die Entsorgungsbranche auf der Suche nach zusätzlichen Zwischenlagerkapazitäten für den bei der Naturkatastrophe angefallenen Sperrmüll. Der Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallverwertung Südwestpfalz (ZAS) in Pirmasens, Thomas Linnert, teilte in der vergangenen Woche mit, dass einige ZAS-Mitglieder derzeit die Möglichkeit prüfen Katastrophenabfall auf Deponieflächen zwischenzulagern.

ASA bietet Unterstützung bei der Suche nach Zwischenlagerkapazitäten an

Unterstützung bei der Suche nach Zwischenlagerkapazitäten hat unter anderem die ASA in der vergangenen Woche angeboten. „In den Hochwasserregionen sind auch Entsorgungsanlagen selbst von den Überschwemmungen betroffen und können ihren Betrieb nicht sofort wieder aufnehmen“, sagte ASA-Vorstand Thomas Grundmann. „Daher haben wir auf unser bereits seit Jahren etabliertes System, den ASA-Ausfallverbund, zurückgegriffen und zunächst unsere Mitgliedsbetriebe, aufgerufen, freie Kapazitäten zur Verfügung zu stellen. Unsere Mitglieder sind erprobt, zeitnah unbürokratisch Unterstützung zu leisten. Auch Nicht-Mitglieder nehmen dieses Angebot jetzt wahr und können sich anschließen“, sagte Grundmann.

Die ASA koordiniere die möglichen Hilfestellungen seitens Ihrer Mitgliedsbetriebe. Sie steht in engem Kontakt mit den betroffenen Entsorgungsbetrieben und weiteren Akteuren, um Entsorgungsmöglichkeiten für Sperrmüll, Bio- und Grünabfälle, Elektroschrott, Holz, Bauschutt oder Schlamm zu schaffen, teilte der Verband mit.

Deponieverordnung regelt Ausnahmen im Katastrophenfall

Die Möglichkeit, organikhaltigen Abfall auf Deponien zwischenzulagern, bietet die Deponieverordnung allerdings nur für Deponien der Klasse II und III. Branchenvertreter verwiesen im Gespräch mit EUWID auf Artikel 6 Absatz 6 der Deponieverordnung. Hier sind Ausnahmen im Falle von Naturkatastrophen geregelt. Mit Zustimmung der jeweils zuständigen Behörde kann demnach der Katastrophenabfall auf gesonderten Teilabschnitten auch in jenen Fällen auf Deponien der Klasse II und III gelagert werden, in denen die einzelnen Zuordnungswerte überschritten werden.

In Rheinland-Pfalz hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) kurzfristig eine Ausnahmegenehmigung für die Deponie Eiterköpfe im Kreis Mayen-Koblenz zur Ablagerung von Haus- und Sperrmüll erteilt. Das sagte die rheinland-pfälzische Umweltministerin Anne Spiegel (Grüne) in der vergangenen Woche in einer Sondersitzung dreier Landtagsausschüsse in Mainz. Die Abfallentsorgungsbetriebe hätten in Abstimmung mit der SGD Nord auch noch andere Ablageflächen festgelegt. (dpa / eigener Bericht)

Eine ausführliche Berichterstattung über den Entsorgung des Katastrophenabfalls aus den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lesen Sie in Ausgabe 30/2021 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die aktuelle Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

Diesem Artikel zugeordnete Schlagworte:

zurück − Brandenburgisches Umweltministerium sieht geplante EVA Jänschwalde kritisch

DGAW schlägt Expertenrat zur Überarbeitung von ElektroG und BattG vor  − vor