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Preisexplosion am Stahlschrottmarkt zum Jahresbeginn


Stahlschrottmarkt im Januar gekennzeichnet durch
große Nachfrage, aber geringe Verfügbarkeit.
20.01.2021 − 

Schon das Jahr 2020 endete am Stahlschrottmarkt mit einer in vielerlei Hinsicht beispiellosen Preisrallye. Wenngleich auch für Januar die Preiserwartungen positiv waren, wurden die Marktteilnehmer von der Wucht des tatsächlichen Preisanstiegs mehr als überrascht. „Es ist verrückt, verrückt, verrückt“, fasste ein Händler das Markttreiben der ersten beiden Januarwochen zusammen, das von einer niedrigen Schrottverfügbarkeit und einer hohen Schrottnachfrage der Stahlwerke gekennzeichnet war. Im hohen zweistelligen, in der Spitze sogar dreistelligen Eurobereich legten die Stahlschrottpreise gegenüber Dezember zu.

Auslöser war die bereits Mitte November einsetzende, über den gesamten Dezember andauernde und erst in der zweiten Kalenderwoche 2021 – dann allerdings abrupt – endende hohe Importnachfrage türkischer Stahlwerke. In diesem Sog sind auch die von den deutschen Stahlwerken gezahlten Schrottpreise über alle Sorten hinweg seit November deutlich gestiegen. Allerdings hinkte die hiesige Preisentwicklung im Dezember dem internationalen Marktgeschehen noch deutlich hinterher. Entsprechend gab es noch großen Nachholbedarf.

Die letztlich eingetretene Preisexplosion kam aber doch völlig unerwartet. „Den ersten Arbeitstag im neuen Jahr standen die Telefone nicht still. Die Stahlwerke haben nach Schrott geschrien“, berichtet ein Händler. Die Auftragslage der Stahlwerke, sowohl der Baustahl- als auch der Flachstahlproduzenten, sei sehr gut und reiche mitunter bereits bis zur Jahresmitte 2021. Entsprechend hoch ist der Schrottbedarf.

Halbleiter-Engpässe sorgen in der Automobilindustrie für Produktionsstopps

Durch den Preisanstieg im Dezember und den hohen Mengenabfluss in den Export war der Schrottmarkt allerdings bereits vor Weihnachten weitgehend leer gefegt. Das Aufkommen an Alt- und Abbruchschrott der letzten Wochen war, wie zum Jahreswechsel üblich, witterungs- und ferienbedingt niedriger, wenngleich der Preisschub einige zusätzliche Mengen auf den Markt gespült habe. Beim Neuschrott fiel wegen der Betriebsferienzeit an den Entfallstellen ebenfalls weniger Material an. Viele Produktionen sind erst am 11. Januar wieder angelaufen.

Die Produktionsabläufe in der Automobilindustrie sind Marktteilnehmern zufolge zurzeit außerdem durch Lieferengpässe aus der Halbleiter-Industrie gestört. Der Mangel an Elektronik-Chips und Sensoren sei mitunter so groß, dass es bei den Automobilisten zu Produktionsstopps gekommen sei. Für den Schrotthandel hat dies unmittelbare Auswirkungen. Geplante, vereinbarte Schrottmengen blieben aus. Der Effekt werde sich in den nächsten Wochen noch verstärken, rechnen die Gesprächspartner mit einer fortgesetzt geringen Schrottverfügbarkeit.

Den vollständigen Bericht zum deutschen Stahlschrottmarkt inklusive der Preisangaben lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 4/2021. Für Kunden unseres Premium-Angebots stehen der Bericht sowie die Preistabelle schon jetzt online zur Verfügung:

EUWID Preisspiegel Stahlschrott Deutschland

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