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Geminor-Chef: „Wir brauchen gleiche Bedingungen für die energetische Verwertung in Europa“

Geminor-COO Ralf Schöpwinkel
Geminor-COO Ralf Schöpwinkel
02.03.2021 − 

Die europäische Entsorgungswirtschaft steht vor großen Herausforderungen: kurzfristig durch Corona, mittel- und langfristig durch den Klimawandel. EUWID sprach mit Geminor-COO Ralf Schöpwinkel über die Auswirkungen der Pandemie auf die Stoffströme, CO2-Preise und die Lehren, welche die europäische Entsorgungswirtschaft aus der Coronakrise ziehen sollte.

Herr Schöpwinkel, vor etwa einem Jahr hat SARS-CoV2 Europa erreicht und sich seitdem rasant ausgebreitet. Welche Auswirkungen hatte Corona bislang auf ihr Geschäft?

Das Coronavirus hat 2020 zu einem Jahr gemacht, das wir alle nie vergessen werden. Doch obwohl die Pandemie ein erheblicher Schock für das System war, hat die Entsorgungswirtschaft in ganz Europa Anpassungsfähigkeit bewiesen und damit die meisten der durch Covid entstandenen Herausforderungen gemeistert. Tatsächlich konnten viele Akteure der Branche trotz eines turbulenten Abfallmarktes im Jahr 2020 ein Wachstum verzeichnen. Die zunehmende Verbreitung von Corona in ganz Europa – hauptsächlich ausgelöst durch die Weihnachtspause und mehrere mutierte Varianten von Corona – hat jedoch zum bisher schwersten Lockdown in Europa geführt. Zwei Monate im neuen Jahr, und Europa steht wieder einmal vor schweren Zeiten.

Wie meinen Sie das?

Der Frühling 2020 wiederholt sich in vielerlei Hinsicht. Eine geringe wirtschaftliche Aktivität führt zu weniger Gewerbe- und Industrieabfällen für die energetische Verwertung – ganz zu schweigen von einer Reduzierung des Materials für das Recycling in ganz Europa. Allein im Januar lagen die von Geminor angelieferten Abfallbrennstoffe 20 Prozent unter den erwarteten Mengen, und der Trend setzt sich auch im Februar fort. Abfallexportierende Länder wie Großbritannien, Deutschland und Norwegen produzieren nicht nur weniger Restmüll zur Verbrennung, sondern verwerten auch mehr eigene Mengen, so dass der für den Export verfügbare Überschuss auf ein Minimum reduziert wird. Betroffen sind nicht nur Restmüll, sondern auch die Stoffströme Papier und Altholz oder Abfälle aus dem Baubereich.

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Welche lehren sollten wir aus der Krise ziehen?

Die Stoffströme im europäischen Anlagenverbund sind anfällig für Krisen. Das liegt auch daran, dass die gemeinsamen Rahmenbedingungen in Europa unterentwickelt sind. Nehmen Sie nur die anhaltende und unterschiedliche CO2- und Verbrennungsbesteuerung in Europa. Eine unterschiedliche Besteuerung in verschiedenen Märkten führt zu Turbulenzen und kann langjährige Abfallströme verändern. Wenn in der Folge in einigen Märkten Abfallbrennstoffe fehlen, wirkt sich das natürlich auch auf die Verbrennungspreise aus.

Eine unterschiedliche Besteuerung kann ein race to the bottom auslösen?

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Das vollständige Interview mit dem COO von Geminor, Ralf Schöpwinkel, lesen Sie in Ausgabe 09/2020 von EUWID Recycling und Entsorgung. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits als E-Paper zur Verfügung:

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