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ITAD: Müllverbrennung spart sechs Mio Tonnen CO2 pro Jahr

05.01.2022 − 

Die thermische Abfallverwertung spart pro Jahr rund sechs Mio Tonnen CO2 ein. Das hat Ende vergangenen Jahres die Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) anlässlich der Veröffentlichung des ITAD-Jahresberichtes mitgeteilt. Darüber hinaus leisten die Anlagen "durch die Wiederverwendung von Eisen und Nichteisenmetallen aus dem Restmüll einen wichtigen Beitrag zum Ressourcenschutz", sagte der Vorstandsvorsitzende der ITAD, Gerhard Meier.

"Nahezu alle Mitgliedsanlagen produzieren Wärme für die unmittelbare Umgebung der Anlagen", so Meier weiter. "Als lokale Ressource stellen Abfälle einen klimafreundlichen Beitrag zur Energieerzeugung bereit." Im Jahr 2020 haben die Mitgliedsanlagen der ITAD die Einspeisung von Wärme in die Fernwärmenetze den Angaben zufolge von 22.150 Gigawattstunden (GWh) im Vorjahr auf 23.550 GWh gesteigert. Auch die exportierte Strommenge stieg auf 8.080 GWh, nach 7.740 GWh im Jahr 2019.

Anlagen voll ausgelastet

Die Mitgliedsanlagen der ITAD waren im Berichtsjahr nahezu vollausgelastet. Der Verband erwartet nicht, dass sich das in den kommenden Jahren ändert. Neben einem hohen Müllaufkommen in Folge der Flutkatastrophe begründet die ITAD ihre Einschätzung unter anderem mit Revisionen und anstehenden Umbauten bei einigen Anlagen.

Hinsichtlich des Umbaus beim MKW im bayerischen Schwandorf enthält der Jahresbericht ein Interview mit dem Verbandsdirektor des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS), Thomas Knoll. Auch wegen des hohen inländischen Aufkommens hätten weniger als 30 Anlagen im Jahr 2020 Abfälle aus dem Ausland angenommen. Damit haben sich die Importe im Vergleich zum Jahr 2017 halbiert.

Wasserstoff als wichtige Perspektive

Ein weiteres Thema im ITAD-Jahresbericht ist die Produktion von Wasserstoff. Mit dem "Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungsquote" entstehe eine wichtige Perspektive für die Betreiber von thermischen Abfallbehandlungsanlagen.

"Damit haben die Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen zumindest an dieser Stelle Planungssicherheit, um vor Ort klimafreundlichen Wasserstoff für ihre Fahrzeugflotten und lokale Unternehmen zu erzeugen", sagte ITAD-Geschäftsführer Carsten Spohn. "Doch es gilt im Dschungel der gesetzlichen Regelungen weiterhin sachgerechte Rahmenbedingungen für die Erzeugung von Wasserstoff an den Standorten unserer Mitglieder zu schaffen bzw. zu erhalten."

Debatte um CO2-Bepreisung

Klimaschutz durch thermische Abfallverwertung ist umstritten, wie die aktuelle Debatte um eine Bepreisung der CO2-Emissionen aus der Müllverbrennung zeigt. Im Dezember hatte sich der Entsorger Remondis auf europäischer Ebene Forderungen von Umweltverbänden angeschlossen, die Müllverbrennung in das europäische Emissionshandelssystem einzubeziehen. In ihrem gemeinsamen Schreiben anlässlich der Sitzung des EU-Umweltrates verweisen die Unterzeichner unter anderem darauf, dass durch die Müllverbrennung jährlich 95 Mio Tonnen CO2 in Europa in die Atmosphäre entlassen werden.

VKU und ITAD vermissen hingegen eine Lenkungswirkung eines CO2-Preises, weil die Müllverbrennung am Ende der Wertschöpfungskette steht. Die Zusammensetzung des - zukünftigen - Abfalls werde jedoch am Anfang der Wertschöpfungskette maßgeblich beeinflusst, also im Wesentlichen beim Produktdesign.

Eine CO2-Bepreisung am Ende der Kette habe daher weder Einfluss auf die Abfallmenge noch auf die Zusammensetzung des Abfalls. Eine Einbeziehung in den europäischen Emissionshandel oder den nationalen Brennstoffemissionshandel lehnen die Verbände daher als nicht-verursachergerecht ab. Ein CO2-Preis verteuere für Bürger und Betriebe lediglich die Abfallentsorgung, ohne einen Nutzen für den Klimaschutz zu generieren.

Verbände betonen Bedeutung der Müllverbrennung für die Kreislaufwirtschaft

Unabhängig davon, wie die Frage einer CO2-Bepreisung beurteilt wird, haben VKU, die kommunalen Spitzenverbände, der BDE, die ITAD und der Verband der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) Anfang Dezember in einem gemeinsamen Papier die energetische Abfallverwertung als unverzichtbar für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft bezeichnet.

Die fortschrittlichsten nationalen Modelle der Abfallbewirtschaftung in der EU kombinierten ein hohes Maß an Recycling mit dem notwendigen Maß an Energiegewinnung aus Abfällen, betonten die Verbände in ihrem gemeinsamen Papier.

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