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bvse-Studie: DSD-Übernahme durch Remondis könnte Wettbewerb beeinträchtigen

05.04.2019 − 

Die Übernahme des Grünen Punktes durch den Entsorger Remondis könnte den Wettbewerb im Entsorgungsmarkt erheblich einschränken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wettbewerbsökonomen Justus Haucap im Auftrag des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), die heute in Düsseldorf vorgestellt wurde. Der bvse ist Beigeladener im Fusionskontrollverfahren des Bundeskartellamtes.

Haucap zufolge hätte die Übernahme der Dualen System Deutschland GmbH (DSD) durch Remondis Auswirkungen auf den Wettbewerb auf allen Stufen der Wertschöpfungskette im Entsorgungsmarkt für Verpackungsabfälle. Im Bereich der Erfassung könnte Remondis Anreize erhalten, in den Ausschreibungsgebieten von DSD Sammeldienstleistungen zu „Unter-Kosten-Preisen“ anzubieten. Denn der Ausschreibungsführer habe 50 Prozent der Erfassungskosten selbst zu tragen.

Mindestens die Hälfte der Kosten einer Unter-Kosten-Preis-Strategie würden damit in einem Konzernverbund Remondis/DSD verbleiben. „Das wäre ein bisschen linke Tasche, rechte Tasche“, fasste Haucap das Argument in dem Pressegespräch zusammen. Was Remondis durch diese Strategie verliere, käme der Tochter DSD also zumindest zu einem erheblichen Teil zu Gute. Eine Strategie, die darauf abzielt, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, wäre damit erheblich günstiger durchzuführen. Die überlegene Finanzkraft von Remondis ermögliche darüber hinaus dem Entsorgungskonzern aus Lünen, diese Strategie zu fahren.

Justus Haucap heute bei der Vorstellung des Gutachtens in Düsseldorf

Nicht nur in den Erfassungsmärkten befürchtet Haucap wettbewerbliche Beschränkungen durch eine Übernahme von DSD durch Remondis. Im Bereich der Altglasaufbereitung beispielsweise sei Remondis bereits jetzt Marktführer in Deutschland mit einem Anteil von rund 41 Prozent der Kapazitäten. Da der Markt von Überkapazitäten geprägt sei, bestehe die Gefahr, dass Remondis die DSD-Mengen künftig in die eigenen Anlagen fährt.

Rund ein Drittel der Altglasmengen sind in Deutschland bei DSD lizenziert, diese Mengen könnten künftig dem Wettbewerb entzogen werden. Um die übrigen Mengen müssten sich in diesem Fall die übrigen Aufbereiter bemühen, was unter anderem einen zusätzlichen Preisdruck auf Rohscherben aufgrund der Angebotsverknappung führen würde.

Einen ausführlichen Bericht zu dem Gutachten lesen Sie in EUWID Recycling und Entsorgung 15/2019. Für Kunden unserer Premium-Angebote steht der Text bereits ab Dienstag 14 Uhr im E-Paper zur Verfügung:

E-Paper - EUWID Recycling und Entsorgung

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