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Türkei lässt den Import von PE-Abfällen wieder zu

Containerschiff
Importverbot wieder aufgehoben: Die Türkei lässt
wieder PE-Abfälle ins Land.
16.07.2021 − 

Etwas mehr als eine Woche nach Inkrafttreten hat das türkische Handelsministerium das Importverbot für Polyethylen-Abfälle wieder aufgehoben. Am vorletzten Wochenende ist im türkischen Amtsblatt ein neues Kommuniqué veröffentlicht worden, das das im Mai verkündete und am 3. Juli in Kraft getretene Verbot für die Einfuhr von Material unter dem Zollcode 3915.10.00.00 ("Abfälle, Teile und Schrott aus Ethylen") aufhebt.

Die Kehrtwende kommt, nach dem die gesamte Kunststoff- und Recyclingindustrie Sturm gegen das Einfuhrverbot gelaufen war. Der Vorsitzende der Industrie- und Handelskammer von Bursa (BTSO), İbrahim Burkay, teilte in der vergangenen Woche über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass er an einem Treffen mit Vertretern des Industrieministeriums, des Umweltministeriums und des Handelsministeriums teilgenommen habe und eine baldige Aufhebung erwarte.

Die türkische Wirtschaftszeitung "Dünya" hatte berichtet, dass die Aufhebung des Verbots Teil einer bei dem Treffen ausgehandelten Vereinbarung war, die strengere Kontrollen vorsieht, einschließlich einer Überprüfung der Lizenzen der Recycler.

Auch die türkische Kunststoff- und Recyclingindustrie hatte das Importverbot scharf kritisiert. Der Verband der türkischen Kunststoffindustrie (Pagder) argumentierte, dass die Türkei Importe benötige, weil die eigene Sortierinfrastruktur noch nicht ausreiche, um die Recycler des Landes ausreichend zu versorgen.

Deutlicher Anstieg der Plastikabfall-Importe in den vergangenen Jahren

Die Kunststoffabfallexporte in die Türkei sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. 2016 spielte das Land am Bosporus noch kaum eine Rolle im internationalen Geschäft mit der Verbringung von Kunststoffabfällen. Mit fast zwei Mio Tonnen waren damals die chinesischen Recycler noch die größten Abnehmer von Kunststoffabfällen aus Europa. Gerade mal 22.000 Tonnen Altkunststoffe verließen die 27 EU-Staaten 2016 in Richtung Türkei.

Bis 2020 stieg die aus der EU-27 ausgeführte Menge an Kunststoffabfällen allerdings rasant auf 447.000 Tonnen an. Im vergangenen Jahr sind damit zwanzig Mal so viele Kunststoffabfälle aus der EU in die Türkei exportiert worden, wie im Vergleichsjahr 2016. China importierte im Vergleich dazu im vergangenen Jahr nur noch 73.000 Tonnen Kunststoffabfälle. Die Türkei ist damit in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Zielland europäischer Exporteure von Kunststoffabfällen aufgestiegen.

Ein Ende ist nicht in Sicht: Allein zwischen Januar und April 2021 importierten türkische Recycler über 205.000 Tonnen Kunststoffabfall. Zum Vergleich: In den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres kauften türkische Recycler noch 115.000 Tonnen Kunststoffabfälle in den 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein – ein Anstieg um fast 80 Prozent. Sollte die Entwicklung im Laufe des Jahres so weiter gehen, dürften die Altkunststoffexporte von der EU in die Türkei in diesem Jahr noch einmal deutlich ansteigen.

Warum die in die Türkei eingeführten Mengen trotz der Wiederzulassung der Kunststoffimporte wahrscheinlich sinken werden, lesen Sie diese Woche in EUWID Recycling und Entsorgung 29/2021. Für Kunden unseres Premium-Angebots steht die Ausgabe bereits ab Dienstag, 14 Uhr, als E-Paper zur Verfügung:

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