Altpapierexporte sinken im Januar auf historisches Tief

Deutschland hat im Januar erstmals in der bis 2006 zurückreichenden Datenreihe des Statistischen Bundesamtes weniger als 100.000 Tonnen Altpapier in einem Monat exportiert. Laut Destatis sanken die Ausfuhren im Vorjahresvergleich um 40 Prozent auf 95.000 Tonnen. Der Wert der Ausfuhren lag mit insgesamt 18,9 Mio € aber nur geringfügig unter dem Vorjahr, als sich dieser auf 19,9 Mio € summierte. Dies verdeutlicht den enormen Preisanstieg, den der von den Papierfabriken stark gesuchte Rohstoff Altpapier im Laufe des letzten Jahres verzeichnet hat.

Am meisten Altpapier exportiert Deutschland nach wie vor in die Niederlande. Im Januar waren es 36.000 Tonnen, verglichen mit 53.000 Tonnen im Vorjahresmonat. Dabei muss allerdings einschränkend berücksichtigt werden, dass erfahrungsgemäß große Mengen Material über niederländische Zwischenhändler laufen, die zum Beispiel aus Deutschland importiertes Altpapier anschließend weiterexportierten. Dieser Zwischenhandel wird vom Statistikamt nicht erfasst.

Noch stärker als in die Niederlande sind im Januar die Altpapierlieferungen nach Frankreich gesunken. Die von Destatis ausgewiesene Ausfuhrmenge von 16.000 Tonnen bedeutet einen Rückgang um mehr als die Hälfte. Zudem ist der Exporthandel nach Asien nahezu gänzlich zum Erliegen gekommen. Ehemalige Großabnehmer-Staaten wie China, Indonesien und Thailand beziehen als Folge immer weiter verschärfter Einfuhrbestimmungen laut Statistik mittlerweile gar kein Altpapier mehr aus Deutschland. Gleiches gilt für Indien, wobei hierfür ein „Büroversehen“ im Rahmen der Novellierung der europäischen Abfallverbringungsverordnung verantwortlich ist, durch das Altpapierexporte aus der EU nach Indien seit mehreren Monaten verboten sind.

Ein weiterer Grund für den stark reduzierten Exporthandel ist aber auch die Altpapierknappheit auf dem Inlandsmarkt. Altpapier ist gefragt, was sich auch in den deutschen Altpapierimporten widerspiegelt, die im Gesamtjahr 2021 ein Allzeithoch erreichten.

Im Januar 2022 lagen Deutschlands Altpapiereinfuhren bei 391.000 Tonnen im Wert von 85 Mio €, was im Vorjahresvergleich einen geringfügigen Rückgang um drei Prozent bedeutet. Die wichtigsten Bezugsländer sind die Niederlande, Frankreich und Polen, wobei die Lieferungen aus den Niederlanden und Polen knapp ein Viertel unter dem Vorjahresniveau lagen. Demgegenüber stark gewachsen sind die Anlieferungen aus Großbritannien. Laut Destatis hat sich der Altpapierimport aus dem ehemaligen EU-Staat im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat auf 28.000 Tonnen mehr als vervierfacht. Auch aus Dänemark kam rund ein Viertel mehr Altpapier.

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