Wirtschaftsvereinigung Stahl sieht Branche in „besorgniserregender“ Lage

Der deutsche Stahlsektor schrumpft in diesem Jahr überdurchschnittlich stark. Der Weltstahlverband Worldsteel prognostiziert in seinem aktuellen Konjunkturausblick für 2023 einen Rückgang der hiesigen Stahlnachfrage um zehn Prozent. Damit liege das Minus doppelt so hoch wie im EU-weiten Durchschnitt. Weltweit werde das Marktvolumen 2023 sogar um voraussichtlich 1,8 Prozent steigen. Für den deutschen Branchenverband Wirtschaftsvereinigung Stahl nimmt Deutschland damit eine „besorgniserregende Sonderstellung“ ein. Vor allem die im internationalen Vergleich über Monate hinweg nicht wettbewerbsfähigen Energiekosten seien für den deutschen Stahlmarkt toxisch.

Besonders stark betroffen von den hohen Energiekosten sei die stromintensive, aber heute schon relativ CO2-arme Elektrostahlherstellung, deren wichtigster Rohstoff Stahlschrott ist. Laut der jüngsten Monatsstatistik von WV Stahl ging die in Deutschland zwischen Januar und September hergestellte Menge an Elektrostahl um zwölf Prozent auf 7,6 Mio Tonnen zurück. Zum Vergleich: der Output des im Sauerstoffblasverfahren hergestellten Oxygenstahls lag mit 19,6 Mio Tonnen auf Vorjahresniveau.

„Die ohnehin schwierigen Standortbedingungen für die Stahlproduktion in Deutschland verschärfen sich weiter. Ausgerechnet die Elektrostahlunternehmen, die schon heute relativ klimafreundlich Stahl herstellen können, müssen Kurzarbeit anmelden und können die Öfen nur noch nachts oder am Wochenende laufen lassen“, kommentierte Verbandsgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel. Sie forderte daher die Politik auf, Entscheidungen zur gezielten Entlastung der stromintensiven Industrien zu treffen. „Denn insbesondere die Stahlindustrie spielt nicht nur bei der Dekarbonisierung unseres Landes eine Schlüsselrolle, sie ist auch Basis unseres gegenwärtigen und künftigen Wohlstandes“, so Rippel.

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