Werner & Mertz zum chemischen Recycling: „Völlig unsinnige Technologie“

In einem aktuellen Beitrag auf der Internetseite des Reinigungsmittel-Herstellers Werner & Mertz („Frosch“) findet der Leiter Public Affairs des Mainzer Unternehmens Timothy Glaz deutliche Worte gegen das chemische Recycling. Er gehe davon aus, dass das neue Wirtschafts- und Klimaministerium dieser Technologie früher oder später einen Riegel vorschiebe.

„Denn sie schadet nachweislich dem Klima und der Umwelt. Damit hätte das Wirtschaftsministerium die große Chance, für die Umwelt etwas Richtiges zu tun und eine völlig unsinnige Technologie zu blockieren“, sagt Glaz in dem PR-Interview des Unternehmens. Man dürfe nicht zulassen, „dass ein dermaßen klimaschädliches Verfahren auch noch durch öffentliche Gelder gefördert wird. Diese Gelder wären anderswo besser aufgehoben.“

Am chemischen Recycling scheiden sich nach wie vor die Geister. Die chemische und petrochemische Industrie treibt die Technologie massiv voran. Ölmultis wie Shell oder Total Energies, die österreichische OMV oder Chemiekonzerne wie BASF sehen darin einen wesentlichen Baustein für ihre Existenz in einer dekarbonisierten, klimaneutralen Welt. Als Inputmaterial versprechen die Konzerne ausschließlich nicht mechanisch recycelbares Material zu verwenden, Mischkunststoffe beispielsweise. Doch so einfach ist es dann meist doch nicht: Auch für das chemische Recycling müssen die Abfälle sortiert und aufbereitet werden, gegebenenfalls muss das Basisöl nach der Pyrolyse veredelt werden, weil der Steamcracker eine bestimmte Qualität benötigt. Der Prozess ist insgesamt verlustreich und CO2-intensiv, hatte Veolia-Vertreter Markus Binding beim Kasseler Abfallforum vorgetragen.

"Reines Lobbyprojekt der großen Plastik- und Chemiehersteller"

Veolia hat sich von der Pyrolyse als der populärsten Spielart des chemischen Recyclings verabschiedet. Nun meldet sich Frosch-Vertreter Glaz zu Wort und unterstellt dem chemischen Recycling, ein "reines Lobbyprojekt der großen Plastik- und Chemiehersteller" zu sein, das weder der Umwelt noch dem Klima diene. Auch Glaz kritisiert offen die Pyrolyse: "Der aktuelle Stand der Technik lässt es in Wahrheit gar nicht zu, die Sortierreste aus dem mechanischen Recycling einfach chemisch zu verwerten. Auch die Pyrolyse braucht gut vorsortiertes Plastik. Sogar so gut vorsortiert, dass man es ohne weiteres mechanisch recyceln könnte. Warum also ein chemisches Verfahren nutzen, das nachweislich durch einen gigantischen Energieverbrauch das Klima schwer belastet?“ Für Kunststoffverpackungen sei das chemische Recycling der falsche Ansatz, so Glaz.

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