Werner-&-Mertz-Chef Reinhard Schneider: Rezyklateinsatz scheitert an Centbeträgen

Werner-&-Mertz-Chef Reinhard Schneider sieht den Einsatz von Rezyklaten in Kunststoffverpackungen weiterhin durch den Preisvorteil von Neuware gebremst. In einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ bezifferte Schneider den Kostenvorteil von Kunststoffneuware gegenüber recyceltem Material bei einer 500-Milliliter-Spülmittelflasche mit einem Gewicht von rund 20 Gramm auf etwa 1,4 Cent je Flasche. Was auf Ebene der einzelnen Verpackung gering erscheint, entspricht rechnerisch einem Preisabstand von rund 700 € pro Tonne und damit einer erheblichen Differenz im industriellen Einkauf.

Aus Sicht Schneiders ist dies ein wesentlicher Grund dafür, dass große Konsumgüterhersteller weiterhin überwiegend auf Neuware setzen. „Wegen 1,4 Cent macht kein einziger Großkonzern eine echte Kreislaufwirtschaft“, sagte Schneider dem „Standard“. Recycling sei technologisch möglich und ökologisch sinnvoll, werde aber durch die Kostenstruktur der petrochemischen Industrie gebremst. Anlagen zur Herstellung von Neuware seien groß dimensioniert, häufig abgeschrieben und entsprechend kostengünstig zu betreiben. Beim Recycling entstünden die Kosten dagegen vor allem durch Sammlung, Sortierung und Aufbereitung.

Schneider widerspricht in dem Interview zugleich der Einschätzung, es gebe grundsätzlich nicht genügend hochwertiges Rezyklat. Das Problem liege weniger beim Materialangebot als bei der fehlenden industriellen Nachfrage. Viele Verpackungen seien zwar recyclingfähig, würden aber am Ende nicht wieder als Rohstoff eingesetzt. Recyclingfähigkeit allein schaffe noch keinen funktionierenden Kreislauf....

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