Veolia darf Hofmann-Gruppe nur unter Bedingungen kaufen

Standort in Nürnberg muss an Wettbewerber verkauft werden

Das Bundeskartellamt genehmigt die geplante Übernahme der Hofmann-Gruppe an den Entsorgungskonzern Veolia nur unter der Bedingung, dass ein Standort in Nürnberg an einen unabhängigen Wettbewerber verkauft wird. Außerdem müssen Erfassungsverträge für Leichtverpackungen, Glasverpackungen und Altpapier abgegeben werden.

Das Bundeskartellamt muss dem Erwerber des Standorts in Nürnberg noch zustimmen. Der Erwerber des Standortes müsse über die finanziellen Mittel, Fachkenntnisse und Anreize verfügen, um als aktiver Wettbewerber in den Markt eintreten zu können und darf unter anderem seinen bisherigen Tätigkeitsschwerpunkt nicht in dem räumlich relevanten Markt in Mittelfranken haben, schränkt die Wettbewerbsbehörde weiter ein. Zusätzlich zu dem Standort sollen Erfassungsverträge für Leichtverpackungen, Glasverpackungen und Altpapier sowie die für die Erfüllung der Verträge notwendigen Ressourcen, einschließlich der erforderlichen Mitarbeiter, abgegeben werden, heißt es weiter. Die Erfüllung der zu übernehmenden Verträge soll von dem Standort in Nürnberg möglich sein.

„Ohne diese Bedingung hätten wir die Übernahme untersagen müssen. Veolia übernimmt den mit Abstand größten mittelständischen Anbieter dieser Dienstleistungen in Mittelfranken. Im Großraum Nürnberg, Fürth und Erlangen führt dies zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs bei der haushaltsnahen Erfassung von Leichtverpackungen und Glasverpackungen im Auftrag der dualen Systeme sowie von Altpapier im Auftrag öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt heute. Durch den Verkauf eines zentral gelegenen Standorts könnten jedoch ein neuer Wettbewerber in den Markt eintreten und die wettbewerblichen Nachteile des Zusammenschlusses kompensiert werden.

Veolia hatte die Pläne zur Übernahme der Friedrich Hofmann GmbH bereits im Januar vermeldet. Besonderes Augenmerk legte der Konzern bei der Übernahme auf die umfassenden Dienstleistungen im Bereich Altpapier. Im Rahmen dieser Aktivitäten, die unter anderem von der Hofmann-Tochter Rowe erbracht werden, hätten die Vertriebsgesellschaften Zugriff auf jährlich rund 1,4 Mio Tonnen Altpapier und verfügten zudem über Lieferverträge mit verschiedenen Papierherstellern, hieß es zum Jahresbeginn.

Die Hofmann-Unternehmensgruppe ist in der Region Nürnberg, Büchenbach, Fürth, Schwabach und in Oberbayern in allen Segmenten der Abfallwirtschaft tätig. Dazu gehören die Bereiche Rücknahmesysteme, kommunale Dienstleistungen, die Sammlung von Sonderabfällen sowie Gewerbe- und Industrieabfällen an rund 30 Standorten einschließlich aller Abfallbehandlungsanlagen für verschiedene Fraktionen. Der Schwerpunkt der Aktivitäten liege in der Sammlung, Sortierung und Verwertung bzw. dem Handel von Sekundärrohstoffen, erklärte Veolia bei der Ankündigung der Übernahme.

Die Übernahme musste aufgrund der Umsätze der Unternehmen zunächst bei der EU-Kommission angemeldet werden. Von dort wurde der Fall dann im April an das Bundeskartellamt verwiesen. Die Prüfung der Wettbewerbshüter in Bonn nahm dann insgesamt sieben Monate in Anspruch, die Frist für den Abschluss wurde dabei mehrfach verlängert. Ursache dafür ist unter anderem, dass Veolia dem Kartellamt zuvor den Verkauf zweier anderer Standorte als Zugeständnis angeboten hatte. Der daraufhin von der Behörde durchgeführte Markttest zeigte aber offenbar nicht den gewünschten Effekt.

Veolia und Hofmann mit den meisten gewonnenen Ausschreibungen in der Region

Die Ermittlungen hätten gezeigt, dass in dem relevanten Marktgebiet bereits vor dem Zusammenschluss die Anzahl der abgegebenen Gebote im Rahmen von Ausschreibungen für die Abfallerfassung sowie die Anzahl der Auftragnehmerwechsel seit Jahren kontinuierlich zurückgehen, erklärt das Bundeskartellamt. Zudem sei die Anzahl der Entsorgungsunternehmen, die haushaltsnahe Erfassung anbieten, relativ gering. Bei diesen Anbietern handele es sich mit Ausnahme von Veolia ausschließlich um mittelständische Familienunternehmen.

Veolia habe sich zwar in den letzten Jahren verstärkt aus der haushaltsnahen Erfassung zurückgezogen, räumen die Wettbewerbshüter ein. Dennoch gehörten Veolia und Hofmann in dem räumlich relevanten Markt zu den Bietern mit den meisten gewonnenen Ausschreibungen und übten daher mindestens als potenzielle Wettbewerber hohen Wettbewerbsdruck aufeinander aus.

Eine Belebung des Wettbewerbs durch bislang nicht in der Region tätige Unternehmen werde neben den notwendigen Investitionen durch das fehlende Angebot an abfallwirtschaftlich geeigneten Standorten sowie die aufwändigen Genehmigungsverfahren erschwert, so die Einschätzung der Kartellbehörde. Dies gelte erst recht für den hoch verdichteten, wirtschaftlich starken Großraum Nürnberg. Da sie bisher nicht schwerpunktmäßig in der Region tätig sind kommen als Kandidaten für die Übernahme des Standorts in Nürnberg zumindest theoretisch die Entsorger Remondis, Prezero und Knettenbrech+Gurdulic in Frage.

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