VDM: Warnung vor Schrottabfluss „faktisch falsch“

Die Forderung der deutschen Aluminiumhersteller nach europäischen Exportzöllen auf Aluminiumschrotte als Reaktion auf die US-Importzölle auf Aluminiumprodukte sorgt in der Recyclingindustrie weiterhin für großen Unmut. In einem aktuellen Beitrag auf Linkedin weist der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler (VDM) Darstellungen des Aluminiumverbands, die US-Zollpolitik führe zu einem massenhaften Abfluss von Aluminiumschrott in die USA, als realitätsfern und „faktisch falsch“ zurück. Durch das Herbeigerede einer Abflusskrise konstruiere Aluminium Deutschland vielmehr ein Szenario zur Rechtfertigung politischer Abschottung.

Wie berichtet, warnt der Verband der deutschen Aluminiumproduzenten Aluminium Deutschland vor einem drohenden unkontrollierten Abfluss von europäischem Aluminiumschrott in die USA. Dadurch, dass die USA die Einfuhr von Primäraluminium und aluminiumintensiven Produkten seit dem 12. März mit einem 25-prozentigen Zoll belegt, der Import von Aluminiumschrotten aber zollfrei bleibt, würden US-Unternehmen Schrotte nun zu Höchstpreisen ankaufen. Dies führe zu einer zunehmenden Verknappung bis hin zum Ausverkauf in Deutschland und Europa. Dies gefährde nicht nur den Ausbau der Kreislaufwirtschaft, sondern untergrabe auch die Dekarbonisierungsziele und die Rohstoffsicherheit Europas, warnt Aluminium Deutschland und fordert daher die EU zu schnellem Handeln und zur Einführung von Exportzöllen auf Aluminiumschrotte auf.

Der VDM und ebenso der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) lehnen dies entschieden ab. Ein solch fundamentaler Eingriff in die offenen Märkte diene in erster Linie den protektionistischen Interessen der europäischen Aluminiumindustrie, sich durch staatlich verordnete Marktabschottung Rohstoffe zu günstigen Konditionen zu sichern, bemängelten die beiden Verbände bereits letzte Woche.

VDM: USA nicht Abnehmer sondern Lieferant von Aluminiumschrott

Auf Linkedin hat der VDM nun nochmals nachgelegt und die aus Verbandssicht falschen Aussagen von Aluminium Deutschland einem Faktencheck unterzogen. So verweist der VDM auf die jüngsten Außenhandelsstatistiken von Eurostat, denen zufolge die EU-Staaten in den letzten sieben Jahren stets weniger Aluminiumschrott in die USA exportiert als umgekehrt importiert haben. Die USA seien somit nicht Abnehmer, sondern vielmehr einer der wichtigsten Lieferanten von Aluminiumschrotten. Selbst in 2018, als die USA in der ersten Trump-Regierung schon einmal Zölle auf Aluminium, nicht aber auf Aluminiumschrotte erhoben hatten, sei der Außenhandel stabil geblieben.

Anders als heute hätten die Marktteilnehmer damals aber „kühlen Kopf“ bewahrt. VDM-Vorstandsmitglied Murat Bayram betonte auf LinkedIn daher die Wichtigkeit des Dialogs zwischen den Marktparteien. „Leider wurde die ausgestreckte Hand [des VDM] nicht angenommen. Statt gemeinsam zu gestalten, kämpft jeder gegen jeden – und genau das ist das Problem.“

- Anzeige -
- Anzeige -