Umfrage: Einfache illegale Entsorgung und Wegwerfgesellschaft als größte Hindernisse für ordnungsgemäße Sammlung von E-Schrott

Bei der Sammlung von Elektro- und Elektronikaltgeräten gibt es weiterhin große Verbesserungspotenziale in Deutschland, wie auch jüngste Zahlen zeigen. Eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Stiftung Elektro-Altgeräte Register (EAR) zeigt nun, was aus Sicht von Verbrauchern die Hauptursachen für eine unsachgemäße Entsorgung von E-Schrott bzw. die geringen Mengen in den genehmigten Sammelwegen sind.

Als größtes Problem wird dabei die einfache Möglichkeit zur illegalen Entsorgung wahrgenommen. Es sei schlicht zu leicht, E-Schrott in der Tonne zu entsorgen oder an den Straßenrand zu stellen. An zweiter Stelle liegt der Verweis auf die heutige Wegwerfgesellschaft, gefolgt von einem vermuteten geringen Interesse bzw. der fehlenden Bereitschaft, sich mit einer ordnungsgemäßen Entsorgung zu beschäftigen. Aber auch die fehlenden Sanktionen für Fehlverhalten sowie der Verweis auf größere Umweltschutzprobleme in anderen Weltregionen spielen aus Sicht der Befragten eine wichtige Rolle für die geringen Mengen in den offiziellen Sammelkanälen. Die geringste Bedeutung messen Verbraucher einem möglicherweise mangelnden Vertrauen in das Recycling- und Rücknahmesystem sowie einer eventuell zu großen emotionalen Bindung an alte Geräte, welche eine Entsorgung verhindert, bei.

Jüngere mit großem Misstrauen gegenüber Online-Handel

Interessant sind auch die von der EAR veröffentlichten Zahlen zum Vertrauen der Verbraucher in verschiedene Akteure des Systems. Die höchsten Werte erreichen dabei der Elektrofachhandel sowie die kommunalen Wertstoffhöfe. Jeweils mehr als 90 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass hier abgegebene Altgeräte richtig entsorgt werden. Baumärkten trauen das immerhin noch fünf von sechs Befragten zu. Dahinter folgen allerdings fliegende Schrotthändler. Diesen nicht für die Abholung von E-Schrott zugelassenen Akteuren trauen drei Viertel eine richtige Entsorgung zu.

Damit erreicht der illegale Kanal sogar leicht höhere Zustimmungswerte als der Online-Handel, Discounter und Supermärkte. Diesen Akteuren vertrauen nur 60 bis knapp 70 Prozent der Befragten. Insbesondere Jugendliche misstrauen Online-Händlern dabei stark. Nur knapp 40 Prozent der 14 bis 19 Jahre alten Befragten glauben, dass diese Altgeräte korrekt entsorgen.

Bei der Auswertung der Umfrage weist die EAR darüber hinaus auf eine Diskrepanz in der Wahrnehmung hin. So würden viele Menschen denken, selbst richtig zu entsorgen, sind aber gleichzeitig davon überzeugt, dass die Gesellschaft als Ganzes dies nicht tut. Dadurch fühlten sie sich in ihrem eigenen – richtigen – Handeln gehemmt. Dieses Phänomen sei in der Umwelt- und Sozialpsychologie als „pluralistische Ignoranz“ bekannt.

In Zahlen bedeutet das in der Studie, dass etwa sechs von sieben Befragten davon ausgehen, dass sie ihre Altgeräte korrekt entsorgen. Den Menschen in ihrem näheren persönlichen Umfeld trauen das hingegen nur knapp 60 Prozent zu – dem jeweils eigenen Kind sogar nur rund jeder Dritte. Gefragt nach größeren Gruppen im unpersönlichen Umfeld liegt der Durchschnittswert bei etwas über 50 Prozent. Je weiter die jeweilige Gruppe vom Befragten entfernt liegt, desto weniger Kompetenz wird dieser zugetraut. Auch verschiedenen Prominenten trauen die Befragten nur im Schnitt zu etwas mehr als der Hälfte zu, ihre Altgeräte korrekt zu entsorgen.

EAR intensiviert Aufklärungskampagne

Die EAR führt regelmäßig Befragungen zum Umgang mit Altgeräten durch. Dabei hatte sich wiederholt gezeigt, dass der Wissensstand bereits seit einigen Jahren weitgehend unverändert bleibt. Um das zu ändern und vor allem auch um die ordnungsgemäß gesammelten E-Schrottmengen zu erhöhen, intensiviert die Stiftung ihre Aufklärungskampagne „Jeder Stecker zählt“.

So finden rund um den „Global Recycling Day“ am 18. März sowie den „International E-Waste Day“ am 14. Oktober bundesweite Aktionswochen statt. Mit lokalen Sammelaktionen und Kampagnen soll gemeinsam mit Kommunen, Vereinen, dem Handel und weiteren Akteuren auf das Problem aufmerksam gemacht und ein Bewusstsein für die korrekte Entsorgung von Altgeräten geschaffen werden.

Laut EAR beteiligen sich an der aktuellen Aktion über 60 Kommunen. Darüber hinaus gebe es Kooperationen mit bundesweit über 500 Fußballvereinen, die E-Schrott sammeln, sowie verschiedenen Medienunternehmen. So werde es mit Pro7 eine enge redaktionelle Zusammenarbeit und Platzierungen in bestimmten Formaten geben.

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