
Die Pläne des Bau- und Entsorgungsunternehmens Papenburg und der Remondis-Tochter TSR zur Übernahme des Stahlkonzerns Salzgitter konkretisieren sich. Wie die Salzgitter AG bekannt gibt, hat das Konsortium gestern Abend dem Vorstand ein nicht-bindendes Angebot unter Angabe eines indikativen Angebotspreises von 18,50 € pro Aktie übermittelt. Das entspricht einem Aufschlag von 18 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 15,70 €. Ausgehend von einer Gesamtzahl ausgegebener Aktien von 60,1 Mio bewertet das Angebot den Salzgitter-Konzern damit mit 1,1 Mrd €.
Die Salzgitter AG kündigte an, das nicht-bindende Angebot einschließlich der Preisindikation zu prüfen. Das Ergebnis der Prüfung und der laufenden Gespräche mit dem Konsortium seien offen.
Seit Anfang November ist bekannt, dass Papenburg und der Stahlrecycler TSR gemeinsam eine Übernahme des niedersächsischen Stahlherstellers erwägen. Ziel sei es, mindestens 45 Prozent plus eine Aktie an der Salzgitter AG zu erwerben. Papenburg und TSR wollen so den Einfluss auf den Stahlhersteller verstärken und „die Transformation der Salzgitter AG hin zum grünen Stahl absichern“, begründete seinerzeit Firmenchef Günter Papenburg.
Bereits jetzt ist die GP Günter Papenburg AG mit 26,7 Prozent der größte Salzgitter-Aktionär, knapp gefolgt vom Land Niedersachsen, das mit einem Anteil von 26,5 Prozent ebenfalls eine Sperrminorität an dem Stahlkonzern hält. Die Landesregierung steht einer Übernahme durch Papenburg und TSR jedoch skeptisch gegenüber. Das Finanzministerium teilte am Donnerstag gegenüber dpa mit, es sehe keine wirtschaftlichen Vorteile in einem Angebot. Bereits im November hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) einen Bedarf zur „Änderung der Anteilsverhältnisse“ verneint.
Auch die Arbeitnehmervertreter stellen sich gegen ein Angebot. „IG Metall und Betriebsrat bleiben bei ihrer Auffassung, dass die Salzgitter AG vor der Aufgabe steht, ohne eine solche Übernahme und unter Wahrung der Eigenständigkeit sowie der Montanmitbestimmung eine nachhaltige Zukunft von Unternehmen und Arbeitsplätzen sicherzustellen“, sagte Hans-Jürgen Urban, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.


