
Tomra Textiles hat Mitte Juni mit dem französischen Unternehmen Carbios eine Vereinbarung über eine Zusammenarbeit im Textilrecycling geschlossen. Im Rahmen der Vereinbarung wollen die beiden Unternehmen Textilabfälle in Nordeuropa gemeinsam sammeln, sortieren, aufbereiten und recyceln. Bei Tomra Textiles handelt es sich um eine Tochtergesellschaft des norwegischen Sortierspezialisten Tomra. Carbios hat ein enzymatisches Recyclingverfahren entwickelt, mit dem schwer zu recycelnde Kunststoffabfälle wie farbige PET-Flaschen, Lebensmittelschalen und Textilien verarbeitet werden können.
Tomra Textiles arbeitet dem Unternehmen zufolge daran, Sortieranlagen für Textilien zu entwickeln und zu skalieren. Im Rahmen der Partnerschaftsvereinbarung mit Carbios werde Tomra Textiles spezifische Maßnahmen erforschen, um die Aufbereitung von Post-Verbraucher-Polyesterabfällen für das Biorecycling gemäß den Spezifikationen von Carbios zu ermöglichen. Die Textilien sollen dann in der ersten industriellen Anlage von Carbios im nordfranzösischen Longlaville recycelt werden.
Die im Recyclingprozess gewonnenen Monomere sollen laut Mitteilung wieder zur Herstellung von recycelten Polyesterfasern (rPET) verwendet werden, wodurch der Kreislauf für Polyestertextilien geschlossen und eine nachhaltige Alternative zur Verbrennung oder Deponierung geschaffen werde. Derzeit werden laut Tomra nur etwa ein Prozent der Alttextilien wieder zu neuen Textilien verarbeitet.
Die Anlage in Longlaville befindet sich im Bau und soll Anfang 2025 in Betrieb gehen. Die Verarbeitungskapazität in Longlaville wird nach der vollständigen Inbetriebnahme bei insgesamt 50.000 Tonnen pro Jahr liegen. Allerdings werden dort nicht nur Textilien, sondern auch andere PET-Abfälle verarbeitet. So wurden bereits Liefervereinbarungen mit dem Systembetreiber Landbell und dem Recycler Hündgen geschlossen. Die beiden Unternehmen werden jährlich jeweils 15.000 Tonnen PET-Abfälle an Carbios liefern.
Tomra Textiles erklärte gegenüber EUWID, dass der genaue Umfang der Zusammenarbeit in den nächsten beiden Jahren ausgelotet und weiter konkretisiert werde. Voraussichtlich ab Anfang 2027 soll die Verarbeitung von Textilien in Longlaville schrittweise auf einen industriellen Maßstab hochgefahren werden, so die derzeitige Zielsetzung. Nach der Test- und Skalierungsphase hoffen die Unternehmen eine Kapazität von 10.000 Tonnen Textilabfälle pro Jahr zu erreichen. Dies sei zum aktuellen Zeitpunkt allerdings lediglich eine Zielsetzung und es ist noch unklar, ob und wann genau diese Menge erreicht werden kann.
Die genaue geographische Herkunft der Abfälle wird derzeit ebenfalls noch ausgelotet. In Frage komme der gesamte nordeuropäische Raum.
Tomra habe sich in den letzten beiden Jahren zunehmend mit dem Thema Textilabfälle befasst, berichtete ein Sprecher von Tomra Textiles. Das Unternehmen prüfe derzeit Möglichkeiten für weitere Partnerschaften im Textilrecycling, unter anderem auch in Großbritannien.



