
Nach einem langjährigen Tiefstand im Vorjahr zeigte die Stahlproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr 2024 wieder eine leichte Erholung. Laut Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl stieg die Rohstahlerzeugung in den ersten sechs Monaten um 4,5 Prozent auf 19,4 Mio Tonnen. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. „Die Rohstahlproduktion scheint das tiefste Tal durchschritten zu haben. Fraglich ist jedoch, wie nachhaltig diese Entwicklung ist“, erklärte Hauptgeschäftsführerin Kerstin Maria Rippel.
So wies Rippel darauf hin, dass der Stahlindustrie weiterhin dringend benötigte Nachfrageimpulse der wichtigen stahlverarbeitenden Branchen fehlen. „Insbesondere der Maschinenbau, die Automobilindustrie oder das Bauhauptgewerbe kämpfen weiterhin mit einer schwachen internationalen Nachfrage, der Krise im Wohnungsbau und fehlenden Investitionen im Inland und in der EU.“
Rippel kritisierte in diesem Zusammenhang die im internationalen Vergleich nach wie vor zu hohen Energiekosten in Deutschland. Auch wenn die Strompreise gegenüber den Höchstständen der vergangenen beiden Jahre zurückgegangen sind, seien sie immer noch doppelt so hoch wie vor der Krise und weit über dem Niveau anderer Länder wie den USA und China, aber auch Frankreich oder Spanien. Insbesondere die seit Jahresbeginn explosionsartig gestiegenen Netzentgelte seien eine erhebliche Belastung für die Unternehmen. Eine nachhaltige politische Lösung sei daher dringend erforderlich. Rippel schlägt vor, die Kosten über ein Amortisationskonto zeitlich zu strecken und langfristig den Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten wiedereinzuführen, um allen Netznutzenden zu helfen.
Trotz der schwierigen Strompreis-Situation konnte aber insbesondere die schrottbasierte Elektrostahlerzeugung im ersten Halbjahr 2024 zulegen. Verbandsangaben zufolge steigerten die Elektrostahlwerke ihre Produktion um neun Prozent auf 5,9 Mio Tonnen. Im jüngsten Berichtsmonat Juni stieg der Output sogar um knapp ein Fünftel auf 1,0 Mio Tonnen. Allerdings sei die Produktion in 2023 auch massiv eingebrochen, was nicht zuletzt an den krisenbedingten Höchstständen bei den Strompreisen gelegen habe.
Neben den Elektrostahlproduzenten konnten auch die Hochofenwerke ihre Produktion zuletzt wieder steigern. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung stieg der Output des im Sauerstoffblasverfahren hergestellten Oxygenstahls in den ersten sechs Monaten um rund drei Prozent auf 13,5 Mio Tonnen. Im Juni stieg die Produktion um vier Prozent auf 2,2 Mio Tonnen.



