Thüringen: Forschungsinstitut TITK gründet Innovationszentrum für textile Kreislaufwirtschaft

Wirtschaftsminister Tiefensee überreicht Förderbescheid über 4,5 Mio €

Das Thüringische Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK) hat ein Großprojekt für textile Kreislaufwirtschaft auf den Weg gebracht: Mit Übergabe eines Förderbescheids in Höhe von knapp 4,5 Mio € durch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) fiel Anfang August der offizielle Startschuss für das „Demonstration and Innovation Center for Textile Circular Economy“ (DICE). Die Forschungsarbeit wird sich vor allem auf cellulosebasierte Technologien als umweltfreundliche Alternativen zur wasserintensiven Baumwollproduktion konzentrieren. Das Hauptziel besteht laut TITK in der Entwicklung praxistauglicher Faser-zu-Faser-Recyclingprozesse.

„Mit dem DICE fördern wir wegweisende Technologien und setzen Maßstäbe für eine nachhaltige Textilproduktion – nicht nur in Thüringen, sondern weit darüber hinaus“, betonte Tiefensee. „Diese Investition stärkt den Standort Rudolstadt, Unternehmen und ermöglicht die Schaffung regionaler Wertschöpfungsketten“. Die Fördergelder werden laut Thüringer Wirtschaftsministerium vom Land und aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitgestellt und sollen in die Geräteinfrastruktur sowie die Finanzierung von Personal fließen. Bereits im Frühjahr hatte das TITK zudem GRW-Mittel, das heißt aus der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, in Höhe von 3,5 Mio € zur Schaffung der baulichen Voraussetzungen erhalten. Die Gesamtinvestitionen für das DICE belaufen sich auf 11,5 Mio €.

Ein Schwerpunkt des Projekts soll auf der sogenannten Lyohemp-Faser aus Hanfzellstoff liegen, die das TITK etabliert hat. Die Nutzung neuer Rohstoffe wie Agrarabfälle oder Alttextilien für die Celluloseproduktion stelle dabei eine bedeutende wissenschaftliche und technische Herausforderung dar. „Die biobasierte Lyohemp-Faser – von Haus aus kreislauffähig – wird in Bekleidungstextilien in den allermeisten Fällen in Kombination mit Polyester vorkommen. Deshalb ist es elementar, ein praxistaugliches ganzheitliches Textilrecycling zu entwickeln“, erklärte Benjamin Redlingshöfer, geschäftsführender Direktor des TITK. „Innerhalb kürzester Zeit haben uns über 60 Unternehmen, darunter Adidas, Vaude und Head, ihre Unterstützung für dieses Projekt zugesichert. Damit leistet die wirtschaftsnahe Forschung einen weiteren wesentlichen Beitrag zum Transfer von Forschungsergebnissen in am Markt verfügbare Innovationen.“

Das DICE soll in den kommenden Monaten auf dem TITK-Gelände entstehen und von der Expertise und Infrastruktur des Instituts profitieren. Durch die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Thüringen und Mitteldeutschland werden zahlreiche Wirtschaftszweige – von Agrarbetrieben über Spinnereien bis hin zu Maschinen- und Chemikalienherstellern – einbezogen, wie das Thüringer Wirtschaftsministerium mitteilte.

- Anzeige -
Relevante Märkte
Hier finden Sie passende Marktpreise

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -