
Im Rahmen der Umweltfachmesse IFAT in München hat der Gesamtverband Textil+Mode die Gründung einer Gemeinsamen Herstellerstelle für Textilien angekündigt. Damit will die Industrie ihren Anspruch untermauern, das künftige System der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) aktiv mitzugestalten und zu steuern, anstatt lediglich finanzielle Lasten zu tragen.
Die Bekanntgabe erfolgte im Beisein von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der Ende März die Eckpunkte für ein Textilgesetz zur nationalen Umsetzung von EU-Vorgaben vorgestellt hatte. Diese sehen unter anderem vor, dass Inverkehrbringer künftig die Kosten für Sammlung, Recycling und Entsorgung von Altkleidung tragen sollen. Ingeborg Neumann, Präsidentin von Textil+Mode, betonte erneut die Entschlossenheit der Branche, sich gegen eine Rolle als „reine Zahlstelle“ für die Entsorgung minderwertiger Ultra-Fast-Fashion zu wehren. „Es kann und darf nicht sein, dass mittelständische Textil- und Modeunternehmen, die hochwertige Ware produzieren, für textile Billigstware bezahlen, die über asiatische Shopping-Apps unsere Märkte flutet. Hier setzen wir ein klares Stopp-Zeichen.“
Zu den Kernaufgaben der Gemeinsamen Herstellerstelle sollen laut Verband die Steuerung und Beaufsichtigung der Organisationen für Herstellerverantwortung (OfH) auf Basis einheitlicher Kriterien sowie die Sicherstellung einer industriegetragenen EPR-Architektur ohne Doppelstrukturen gehören. Außerdem soll die Stelle branchenspezifische Expertise bündeln und an einer kosten- und bürokratieeffizienten Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben mitwirken.
Damit knüpft Textil+Mode an frühere Modellvorschläge an. Die vom Umweltministerium in den Eckpunkten vorgesehene Alttextilkommission bewertet der Industrieverband dagegen als rein beratende Instanz ohne ausreichende Entscheidungsbefugnisse, um eine leistungsfähige EPR zu gewährleisten. Auch Rücknahmesysteme wie GRS PRO Textil und die Stiftung GRS Batterien hatten sich zuletzt für eine „Gemeinsame Herstellerstelle“ ausgesprochen, die über die bloße Kommunikationsrolle hinausgeht und beispielsweise Behörden bei Registrierungs- und Zulassungsaufgaben unterstützen könnte. Ebenso forderten die Handelsverbände HDE und BTE für Belange mit unmittelbarer Wirkung auf Kosten, Standards und Systemsteuerung ein eigenes, herstellerdominiertes Gremium.



