
Der Textilverwerter Reju arbeitet künftig mit Cibutex, einer niederländischen Genossenschaft zur Sammlung und Aufbereitung gewerblicher Alttextilien, zusammen. Gemeinsam wollen die beiden Partner durch Faser-zu-Faser-Recycling in Verbindung mit effizienter Abfallbewirtschaftung einen echten Rohstoffkreislauf schaffen. In der Branche, in der weltweit jedes Jahr 92 Mio Tonnen Textilmüll anfallen und nur ein Prozent davon ins Recycling gelangt, müsse laut Reju-CEO Patrik Frisk ein grundlegendes Umdenken stattfinden. Sein Unternehmen, eine Tochter des französischen Anlagenbauers Technip Energies, hat daher ein eigenes Verfahren zur Rückgewinnung von PET aus Polyesterstoffen entwickelt. Für die kommenden Jahre ist eine industrielle Skalierung geplant.
Erst im Oktober hatte Reju die Eröffnung einer Pilotanlage in Frankfurt bekanntgegeben. Diese soll 2025 mit der Auslieferung von besonders sauberem und den Angaben zufolge „unendlich oft regenerierbarem“ Recycling-Polyester beginnen und ist zunächst auf 1.000 Jahrestonnen ausgelegt. Zur Entwicklung des Verfahrens habe unter anderem IBM beigetragen. Zudem soll es für Reju mithilfe der ingenieurwissenschaftlichen Kompetenz von Technip Energies möglich sein, „in einem noch nie dagewesenen Tempo und Umfang zu expandieren“, hieß es bei der Einweihung des Frankfurter Standorts. Zwei weitere Betriebsstätten, eine davon in Europa, sollen voraussichtlich 2027 folgen und jeweils eine jährliche Kapazität von 50.000 Tonnen haben, wie eine Sprecherin von Reju auf EUWID-Anfrage mitteilte.
Um die neue Infrastruktur zu bespielen und an ausreichend Input-Material zu gelangen, hat Reju frühzeitig „vorgelagerte Partner“ gesucht. Im November kündigte das Unternehmen eine Kooperation mit Nouvelles Fibres Textiles (NFT) in Frankreich an. NFT kombiniert automatisierte Sortiertechnologien mit mechanischer Zerkleinerung, um große Mengen an Altkleidern zu hochwertigen Rohmaterialien zu verarbeiten. Cibutex ist nun ein weiterer Partner, mit dem Reju einen Vertrag über die Beschaffung textiler Abfälle unterzeichnet hat. Die 2022 in den Niederlanden gegründete Genossenschaft vereint laut eigenen Angaben Dienstleister aus der gewerblichen Wäscherei- und Miettextilbranche, um gebrauchte B2B-Stoffe zu sammeln, aufzubereiten und wieder in die Wertschöpfungskette einzubringen.
„Cibutex‘ einzigartiger Ansatz, Mitgliedsunternehmen zu mobilisieren, passt perfekt zu Rejus Mission, Textilien in großem Maßstab zu recyceln“, kommentierte Frisk, der umfangreiche Erfahrungen aus bisherigen Führungstätigkeiten bei Schuh- und Sportartikelkonzernen wie Under Armour und der Aldo Group in seine Rolle als CEO bei Reju einbringt. „Gemeinsam gehen wir das Problem der Textilabfälle an und schaffen eine Infrastruktur, die wertvolle Ressourcen von Deponien und Verbrennungsanlagen fernhält.“
Jan Lamme, CEO von Cibutex, ergänzte: „Die Partnerschaft mit Reju stärkt unsere Fähigkeit, Industrietextilien nach ihrem Gebrauch wieder in den Produktionskreislauf zurückzuführen und die Rückverfolgbarkeit sowie Qualität zu erreichen, die für eine nachhaltige Zukunft unerlässlich sind.“ Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen sei ein großer Schritt, „um den Wandel hin zu einem kreislauforientierten Ökosystem für Handelstextilien anzuführen“, betonte Frisk.



