
Eine ernüchternde Zwischenbilanz ihres 2024 begonnenen Projektes zur Sammlung von Bioabfällen in Großwohnanlagen mittels Unterflurbehältern zieht die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). So ist bereits seit Mai 2025 aufgrund der „sehr schlechten Trennqualität“ keine Andienung der auf diese Weise gesammelten Bioabfälle an Verwertungsanlagen mehr möglich. Offensichtlich fehle es völlig an einer sozialen Kontrolle, betonte Eva-Lisa Heilemann vom Eigenbetrieb AWS im Rahmen der offenen Plattform Bioabfall im Stuttgarter Innenministerium.
Die Reklamationen seitens der Verwertungspartner über die schlechte Bioabfallqualität sei „sofort erfolgt“, die Zuordnung der Herkunft der Bioabfälle aufgrund des Pilotprojektes eindeutig. Vielmehr müssten die so erfassten Bioabfälle direkt in die Verbrennung gefahren werden. Im Gegensatz zu dem Pilotprojekt seien die Verwertungspartner der AWS „grundsätzlich sehr zufrieden“ mit der Stuttgarter Bioabfallqualität.
Dabei habe die Sammlung von Abfällen mittels Unterflurbehältern durchaus Vorteile, so Heilemann: So ersetze ein Unterflurbehälter vier bis fünf Müllgroßbehälter bei einem zugleich geringeren Flächenverbrauch. Zudem sei die Leerung konventioneller Großbehälter im Vollservice zeitintensiv und für das Leerpersonal körperlich anspruchsvoll, während Unterflurbehälter durch einen Ladekran entleert werden. Auch sei die unterirdische Lagerung hygienischer, sofern eine wasserdichte Installation gewährleistet sei. Und durch die Bereitstellung aller Fraktionen in Unterflurbehälter seien auch keine Müllräume in den Großwohnanlagen mehr nötig.
Zum 2024 begonnenen AWS-Projekt gehören neun Hochhäuser, davon vier Neu- und fünf Bestandsbauten, die mit insgesamt 29 Unterflurbehälter mit einem Volumen von etwa 135 Kubikmetern ausgestattet wurden. 22 der Behälter stehen für die Leerung durch die AWS, die restlichen sieben zur Leerung durch Dienstleister im Rahmen der LVP-Sammlung bereit. Die Besonderheit, so Heilemann, sei, dass sich die Behältersysteme vollständig im Eigentum der beiden beteiligten Baugenossenschaften befinden.
Aus Sicht Heilemanns bieten sich zur Verbesserung der Bioabfallqualität ein ganzes Bündel an Maßnahmen: Von einer bewohnerspezifischen Pressearbeit über Trennanleitungen, Tonnenaufklebern und Vorsortiergefäßen über Aktionen im Umfeld, Kampagnen und Social Media bis hin zum Engagement von Multiplikatoren. Hierzu gehören etwa Hausverwaltungen oder Baugenossenschaften, Hausmeister und Objektbetreuer, Kindertageseinrichtungen, Familienzentren und Begegnungsstätten.



