
Durch die Kombination verschiedener Maßnahmen könnte in Europa im Zeitraum von 2035 bis 2040 eine vollständige Kreislaufwirtschaft für die Batteriematerialien Lithium, Kobalt und Nickel erreicht werden. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Universität Münster in einer aktuellen Studie. Im Optimalfall könnten dadurch elf Minen zum Abbau von Primärmetallen sowie 57 Recyclinganlagen eingespart werden.
In der im Journal „Resources Policy“ veröffentlichten Untersuchung werden vier Maßnahmen zum schnelleren Aufbau einer Kreislaufwirtschaft empfohlen: Die zügige Elektrifizierung des Automobilsektors, kleinere Batterien, eine selektive Zweitnutzung bestimmter Batterietypen, zum Beispiel in stationären Energiespeichern, sowie die verstärkte Nutzung von Lithium-Eisen-Phosphatbatterien in Elektrofahrzeugen. Da durch kleinere Batterien und einen höheren Anteil an LFP-Batterien die Reichweite von Elektrofahrzeugen sinke, sei außerdem ein Ausbau der Ladeinfrastruktur notwendig, um ein effizientes Rohstoffszenario zu erreichen.
Darüber hinaus drängen die Wissenschaftler um Professor Stephan von Delft auf einen Ausbau der Recyclingkapazitäten in Europa. Im Einklang mit den Vorgaben der EU würden zwar mehrere Unternehmen in Recyclinganlagen für Elektroauto-Batterien investieren. Um eine ausreichende Versorgung mit Sekundärrohstoffen sicherzustellen, sei jedoch ein schnellerer Ausbau der Kapazitäten notwendig.
Im Vergleich zu einem Basisszenario könnte im Optimalfall der komplette Kreislauf in der Versorgung mit Lithium, Nickel und Kobalt 45 bzw. 22 und 18 Jahre früher geschlossen werden, heißt es in der Studie. Der Bedarf an Primärrohstoffen könnte somit um 70 bis 80 Prozent reduziert werden. Damit würden in Europa statt 30 nur noch elf Minen zum Abbau von Lithium, Kobalt und Nickel benötigt. Der Bedarf an Recyclinganlagen könnte durch die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen sogar von rund 91 auf nur noch 34 Anlagen sinken, rechnen die Wissenschaftler vor.
In Summe könnten somit im Optimalfall Investitionen in Höhe von rund 32 Mrd € eingespart werden. Die damit verbundenen Emissions-Einsparungen werden in der Studie auf 32,5 Mio Tonnen CO2-Äquivalente geschätzt – ein Minus von fast 80 Prozent gegenüber dem Basisszenario.
Aus Sicht von Stephan von Delft sind die Ergebnisse der Studie durchaus relevant für die europäische Politik. „Sie liefern Handlungsempfehlungen, wie die Politik den Übergang unterstützen, die Versorgungssicherheit für Rohstoffe erhöhen und die strategische Autonomie der EU stärken kann“, betont er in einer Mitteilung der Universität Münster.



