
Die Rohstahlproduktion in Deutschland ist im November den elften Monat in Folge gesunken. Gegenüber dem Vorjahresmonat ging die Erzeugung nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl um rund drei Prozent auf 2,8 Mio. Tonnen zurück. Im Zeitraum Januar bis November ergibt sich damit ein Minus von neun Prozent auf 31,3 Mio. Tonnen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2025 liegt die Rohstahlproduktion nach Verbandsangaben bei „lediglich rund 34 Mio. Tonnen“. Damit werde „zum vierten Mal in Folge die 40-Millionen-Tonnen-Grenze – das Niveau einer auskömmlichen Kapazitätsauslastung – deutlich unterschritten“, so der Verband.
Besonders stark gesunken ist im elfmonatigen Berichtszeitraum der Output über die Hochofen-Konverter-Route. Hier ergab sich im Vorjahresvergleich ein Rückgang um zwölf Prozent auf 21,4 Mio. Tonnen Oxygenstahl. Aber auch die schrottbasierte Elektrostahlproduktion reduzierte sich zwischen Januar und November um vier Prozent auf 9,9 Mio. Tonnen.
Als zentrale Belastungsfaktoren nennt die Wirtschaftsvereinigung Stahl die weiterhin zu hohen Energiekosten in Deutschland sowie „den massiven Importdruck auf den EU-Stahlmarkt“. So sei der Marktanteil der EU-Stahlimporte zuletzt „auf alarmierende 30 Prozent angestiegen“. Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, wertet den erneuten Produktionsrückgang als Warnsignal: „Die Produktionszahlen zeigen die dramatischen Folgen unzureichender Standortbedingungen für die Stahlindustrie in Deutschland.“ Insbesondere der nach wie vor steigende Importdruck auf den europäischen Stahlmarkt setze die gesamte Stahlindustrie schwer unter Druck.
Vor diesem Hintergrund fordert Rippel ein zügiges Vorgehen auf EU-Ebene. „Die exzellenten und ausgewogenen Vorschläge der EU-Kommission für ein hochwirksames Schutzinstrument im Stahlaußenhandel müssen jetzt möglichst schnell und ohne Verwässerungen über die Ziellinie gebracht werden“, so Rippel. Angesichts der dramatischen Lage könne die Branche „nicht bis zur Mitte des kommenden Jahres warten. Hier zählt jede Woche.“ Sie appellierte daher an das Europäisches Parlament und die Mitgliedstaaten, „jetzt die für unsere Industrie überlebensnotwendigen Entscheidungen zu treffen“.



