
Mit einer Selbstverpflichtung will die Papier- und Verlagswirtschaft in Deutschland den Altpapierkreislauf künftig vor Mineralölen schützen, die heute noch in Druckfarben verwendet werden. Vorgesehen ist ein schrittweiser Ausstieg aus mineralölhaltigen Druckfarben für Zeitungen. Branchenvertreter haben heute dem Bundesumweltministerium eine Fortschreibung und Erweiterung der seit 1994 bestehenden Selbstverpflichtungserklärung der Arbeitsgemeinschaft Graphische Papiere (AGRAPA) übergeben.
Mit dieser „Erweiterung der übernommenen Pflichten übernimmt die grafische Papierkette Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft“, sagte der Vorsitzende der AGRAPA und Geschäftsführer der Frankfurter Societäts-Druckerei Volker Hotop. Für das Bundesumweltministerium unterstrich Staatssekretärin Bettina Hoffmann (Grüne) die umweltpolitische Bedeutung der erweiterten Verpflichtungen, die die Kreislaufwirtschaft in Deutschland weiter stärke und ausbaue. Sie verwies darauf, dass es weiter jährlich eine Berichterstattung zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen und zu möglichen Fortschritten bei der Umsetzung im Altpapier-Rat geben werde. Doch es gibt aus Sicht von Hoffmann noch Luft nach oben: "In Zukunft muss dringend darauf geachtet werden, dass neben den Schadstoffen aus mineralölhaltigen Druckfarben auch noch weitere Schadstoffe vermieden werden. Insbesondere PFAS stellen im Bereich des Papierrecyclings ein großes Problem dar.“
Im Dezember war die vom Bund geplante „Mineralölverordnung“ am Bundesrat gescheitert. Sie sollte für Lebensmittelverpackungen aus Altpapier Barrieren vorschreiben, die den Übergang von Mineralölspuren in Lebensmittel verhindern. Zuvor hatten große Teile der Wirtschaft gegen die „22. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung“ mobil gemacht.
Mit der Selbstverpflichtung werden neue Farben in die Praxis eingeführt und die Kreislaufwirtschaft von grafischen Papieren weiter verbessert, heißt es. So verpflichten sich die in den Verbänden organisierten Unternehmen freiwillig zu einem höheren Einsatz von Altpapier bei der Produktion grafischer Papiere und einem schrittweisen und kompletten Ausstieg aus der Nutzung von Zeitungsdruckfarben mit Mineralöl bis zum Jahr 2028. Bis zum 31.12.2025, soll die Menge von Mineralöl aus Zeitungsdruckfarben, die potentiell in den Altpapierkreislauf gelangen, gegenüber dem Referenzjahr 2020 halbiert werden.
Unterzeichner der Selbstverpflichtung sind:
• Die Papierindustrie e. V. / Gesellschaft für Papier-Recycling mbH (GesPaRec)
• Verein der Deutschen Papierimporteure (P.R.INT.)
• Bundesverband des Deutschen Papiergroßhandels
• Bundesverband Druck und Medien (bvdm)
• Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)
• Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA)
• Medienverband der freien Presse e.V. (MVFP)
• Gesamtverband Pressegroßhandel e.V. (GVPG)
• Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh)
• Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Bereits seit 2009 ist aus Untersuchungen bekannt, dass Mineralöle, die unter anderem aus dem grafischen Altpapier von zum Beispiel Zeitungen stammen, von Verpackungen auf Lebensmittel übergehen können. Durch den Ersatz mineralölhaltiger Druckfarben werde nun auch in Deutschland ein wichtiger Schritt in Richtung Ausschleusung unerwünschter Stoffe aus dem Altpapierkreislauf getan, berichtet das Umweltbundesamt.
Der Altpapierkreislauf in Deutschland funktioniere gut, so liege die Altpapiereinsatzquote 2021 bei 79 Prozent. Auch viele Lebensmittelverpackungen werden aus Altpapier hergestellt. Wichtig sei es, die Verbraucher wirksam vor Rückständen von Mineralölen zu schützen, die vom Altpapier in die neu hergestellten Lebensmittelverpackungen übergehen können, so das Umweltbundesamt. Die Behörde hat daher zusammen mit den Verbänden seit 2015 in Forschungsprojekten untersucht, wie sich mineralölfreie Druckfarben im Zeitungsdruck durchsetzen könnten.
In dem Forschungsprojekt des UBA waren zwei Farbsysteme für den Zeitungsdruck entwickelt und in einer Druckerei in Langzeitversuchen getestet worden. Mineralölgehalt und die Entfernbarkeit der Druckfarben (Deinkbarkeit) der erzeugten Druckerzeugnisse wurden untersucht.



