
Um die Pläne des Schrottrecyclers TSR und des Bau- und Entsorgungsunternehmens Papenburg zur Übernahme der Salzgitter AG ist es zuletzt sehr ruhig geworden. Seit der Unterbreitung eines indikativen Angebots Mitte Januar haben sich weder das Bieter-Konsortium noch der Stahlkonzern weiter geäußert. Auch im gestern veröffentlichten Jahresgeschäftsbericht hält sich die Salzgitter-Unternehmensführung weitgehend bedeckt. Man befinde sich in konstruktiven Gesprächen mit der Remondis-Tochter und dem Großaktionär Papenburg. Dabei gelte es zu verstehen, welche wirtschaftlichen Rationale hinter dem möglichen Übernahmeangebot stehen.
Grundsätzlich wertet der Salzgitter-Konzern die Übernahmepläne durch TSR und Papenburg als „Beleg der Attraktivität unseres Unternehmens und der Bestätigung des eingeschlagenen strategischen Weges“. Allerdings könne die Konzernführung auf Basis der bislang vorliegenden Informationen noch keine Aussage darüber treffen, ob eine derartige Übernahme im besten Interesse der Gesellschaft, ihrer Aktionäre sowie der Arbeitnehmer und sonstigen Stakeholder des Unternehmens läge. Sobald ein verbindliches Angebot vorliegt, werde der Konzern dieses im Sinne des Unternehmens und seiner Stakeholder, also auch der Aktionäre, sorgsam prüfen und bewerten, heißt es weiter.
Um dabei etwaigen Interessenskonflikten zu begegnen, werden die vom Papenburg-Konzern in den Salzgitter-Aufsichtsrat entsandten Mitglieder Klaus Papenburg und Karin Hardekopf an Beschlussfassungen des Aufsichtsrates im Zusammenhang mit dem möglichen Übernahmeangebot nicht teilnehmen und die Sitzungen des Gremiums jeweils vorübergehend verlassen.
Die GP Günter Papenburg AG ist mit 26,7 Prozent derzeit der größte Salzgitter-Aktionär, knapp gefolgt vom Land Niedersachsen, das mit einem Anteil von 26,5 Prozent ebenfalls eine Sperrminorität an dem Stahlkonzern hält. Gemeinsam mit dem Stahlrecycler TSR plant Papenburg den Erwerb von mindestens 45 Prozent plus eine Aktie an der Salzgitter AG. Da der Stahlkonzern selbst zehn Prozent der Aktien hält, der eigene Aktienanteil bei Abstimmungen aber nicht stimmberechtigt ist, würde dies für eine Stimmenmehrheit durch Papenburg und die Remondis-Tochter reichen. Als indikatives, also rechtlich nicht bindendes Angebot bietet das Konsortium hierfür 18,50 € pro Aktie, womit der Stahlkonzern insgesamt mit 1,1 Mrd € bewertet wird. An der Börse wurde die Salzgitter-Aktie zuletzt allerdings für 26 € gehandelt.
Umsatz- und Ergebnisrückgang in 2024
Im Geschäftsjahr 2024 musste die Salzgitter AG trotz einer höheren Stahlproduktion einen Umsatz- und Ergebnisrückgang hinnehmen. Die Erlöse verringerten sich um sieben Prozent auf 10,0 Mrd €, das Ebitda ging von 677 Mio auf 445 Mio € zurück. Insgesamt erzeugte das niedersächsische Unternehmen 6,4 Mio Tonnen Rohstahl, verglichen mit 5,7 Mio Tonnen in 2023.
Für das laufende Jahr rechnet die Unternehmensführung mit stabilen bis leicht fallenden Umsätzen in einem Rahmen zwischen 9,5 bis 10,0 Mrd €. Das Ebitda könnte weiter auf bis zu 350 Mio € sinken oder auch auf bis zu 550 Mio € steigen. Trotz der geplanten Sondervermögen sei ein Ende der Stagnation der deutschen Wirtschaft aktuell noch nicht abzusehen, so der Konzern. Um das Unternehmen auf Kurs zu bringen, kündigte Vorstandschef Gunnar Groebler daher einen verschärften Sparkurs an. Statt der bisher angepeilten 250 Mio € pro Jahr sollen bis 2028 nun jährlich 500 Mio € eingespart werden, sagte Groebler der Deutschen Presse-Agentur. Gespart werden soll vor allem bei Einkauf, Logistik und Vertrieb.
Transformationsprogramm Salcos soll weiter konsequent umgesetzt werden
Keine Kürzungen soll es aber beim Aufbau der Grünstahl-Produktion geben. Das Transformationsprogramm Salcos, das bis Ende 2033 den Ersatz der aktuell genutzten Hochöfen durch Direktreduktionsanlagen und Elektrolichtbogenöfen vorsieht, will der Konzern trotz fordernder Rahmenbedingungen weiter konsequent umsetzen. „Daran rütteln wir nicht“, so Groebler. Umso größer sei aber auch „unsere Erwartung an die Politik, endlich für eine spürbare Entlastung bei den Energiekosten zu sorgen und die hohen regulativen Hürden zu senken“. (Eigener Bericht / dpa)



