Der Lithiumproduzent Rock Tech will künftig Abfälle aus seinem geplanten Werk im brandenburgischen Guben zur Zementherstellung an Schwenk verkaufen. So sollen nicht nur zusätzliche Einnahmen generiert, sondern auch die Betriebskosten um bis zu acht Mio € pro Jahr gesenkt werden. Der Baustoffproduzent wiederum erhalte durch die Kooperation eine umweltfreundlichere, emissionsärmere Alternative zu herkömmlichen Zementzuschlägen. Bis 2029 strebt das Ulmer Unternehmen den Ausbau seiner Anlagen an, um jährlich bis zu 200.000 Tonnen Restmaterialien aufzubereiten und zu verarbeiten.
Hauptziel der Partnerschaft ist die gemeinsame Entwicklung von industriellen Anwendungen für Rock Techs Produktionsrückstände, wie gestern in einer Pressemeldung bekanntgegeben wurde. Erste Studien des Institute of Technologies and Economics of Lithium (ITEL) hätten gezeigt, dass vor allem die festen Rückstände, die nach der Auslaugung von Lithium aus Lithiumerz übrigbleiben, als Zusatzstoffe für Zementmischungen geeignet sind. Das ITEL wurde wie berichtet 2021 von Rock Tech und führenden Baustoffunternehmen wie Schwenk, GP Papenburg und Knauf gegründet, um eine CO2-neutrale Kreislaufwirtschaft für Lithium in Deutschland zu prägen.
„Die Sicherstellung der zukünftigen Versorgung mit ausreichenden Mengen an hochwertigen Zementmahlgütern ist für Schwenk von großer strategischer Bedeutung“, erklärt Johann Trenkwalder, Mitglied der Geschäftsleitung von Schwenk Deutschland. „Das beim Betrieb des geplanten Konverters in Guben anfallende LSC – Leached Spodumene Concentrate – stellt eine interessante und regional verfügbare Quelle für Sekundärrohstoffe dar.“
In diesem Sinne stehe die Kooperation im Einklang mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, die unter anderem einen verstärkten Einsatz industrieller Nebenprodukte in der Zementherstellung vorsieht. „Indem wir Abfälle in Werte umwandeln, verbessern wir unsere Profitabilität und unterstützen gleichzeitig die Dekarbonisierungs-Bemühungen der Zementindustrie“, kommentiert Kerstin Wedemann, Chief Operations and Legal Officer bei Rock Tech.
Bereits 2023 hatte sich Rock Tech dazu mit Schwenk und damals auch GP Papenburg als weiterem Partner auf eine grundsätzliche Zusammenarbeit verständigt. Jetzt wurden konkrete Schritte und Details festgelegt. Den Angaben zufolge haben sich die Parteien bereits auf die wichtigsten Geschäftsbedingungen geeinigt, einschließlich eines potenziellen, von der Qualität abhängigen Wertes für das Produkt, heißt es der Pressemeldung von Rock Tech. Neben der Möglichkeit, durch den Verkauf Gewinne zu erzielen, erwartet das Unternehmen auch Einsparungen: Durch die Vermeidung von Transport- und Entsorgungskosten für Abfälle sei mit einer Reduzierung der jährlichen Betriebsausgaben um sieben Prozent zu rechen.
Derzeit befindet sich das Brandenburger Großprojekt von Rock Tech mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 800 Mio € in der Phase der Standortvorbereitung. Wie berichtet hatte das Unternehmen im Sommer 2024 von der Landesregierung eine Förderzusage in Höhe von bis zu 100 Mio € erhalten, die die finale Investitionsentscheidung bestärkte. Im November folgte der offizielle Anschluss des Baugeländes ans deutsche Schienennetz und die Verlegung einer Gaspipeline. Ab 2026 will Rock Tech früheren Angaben zufolge jährlich 24.000 Tonnen hochwertiges Lithiumhydroxid für die Batterieproduktion herstellen, wobei 50 Prozent der Ausgangsstoffe bis 2030 aus dem Recycling von Altbatterien stammen sollen.
Nach erfolgreicher Inbetriebnahme des Gubener Konverters plant Schwenk, in moderne Anlagen zum Trocknen, Mahlen und Lagern der Laugenrückstände zu investieren. Bis 2029 sollen die firmeneigenen Verwertungskapazitäten laut Pressemitteilung auf bis zu 200.000 Jahrestonnen erweitert werden.
Darüber hinaus sieht die Vereinbarung vor, dass Schwenk während der Anlaufphase des gemeinsamen Projekts flexibel mit den Reststoffen umgehen und diese bei Bedarf vorübergehend in herkömmlichen Zementbrennprozessen verwenden kann, bis die Integration der neuen Materialien reibungslos erfolgt. Um die breite Einführung der Innovation zu erleichtern, soll diese zertifiziert werden, unter anderem im Rahmen der EU-Chemikalienverordnung REACH. Der Zertifizierungsprozess nehme voraussichtlich bis zu anderthalb Jahre in Anspruch. Für die Dauer ihres Abkommens haben sich die beiden Parteien auf eine exklusive Zusammenarbeit geeinigt, heißt es in der Pressemeldung weiter.




