RLG übernimmt Mehrheit an Logistikplattform Libycle für EV-Batterie-Rücknahme

Die Reverse Logistics Group (RLG), eine Tochter des britischen Kreislaufdienstleisters Reconomy, hat 51 Prozent an der Münchner Libcycle GmbH erworben. Das 2021 gegründete Unternehmen ist auf den sicheren Transport und das Management defekter Lithium-Ionen-Batterien spezialisiert. Mit der Mehrheitsbeteiligung zielt der Systembetreiber RLG darauf ab, eine durchgängige Lösung für die gesetzeskonforme Rücknahme von Energiespeichern aus der Elektromobilität zu schaffen – und erweitert seine Kompetenzen um die operative Logistik. Verkäufer ist die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Mutares.

„Diese Transaktion kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die europäische Kreislaufwirtschaft im Batteriebereich. Die Mengen an Altbatterien steigen, während sich regulatorische Anforderungen weiter verschärfen“, erklärt Reconomy-CEO Guy Wakeley. In einer Mitteilung von RLG werden Prognosen der EU genannt, wonach bis 2030 ein vierzehnfacher Anstieg der Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien zu erwarten sei. Zugleich wachse der Druck auf die Branche durch neue Pflichten der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) aus der EU-Batterieverordnung. Dazu gehören unter anderem lückenlose Nachweise über Verbleib und Recycling der Speicher.

Hier greift die strategische Logik der Beteiligung: RLG ist im Management von Compliance-Prozessen nach EPR-Richtlinien, Daten-Tracking und der Organisation von Rücknahmesystemen weltweit tätig – in Deutschland etwa mit „Rebat“, das über 65.500 Sammelstellen für Gerätebatterien umfasst. Libcycle soll nun die Lücke in der physischen Logistik speziell für Traktionsbatterien schließen und bringe komplette End-to-End-Services – von der Spezialverpackung bis zu Lagerung und weiterer Handhabung gefährlicher Abfälle – in die künftige Zusammenarbeit ein.

Reconomy erklärt, dass die Integration des Unternehmens im Rahmen der internationalen Wachstumsstrategie erfolge. Die RLG könne dadurch unter anderem ihre groß angelegten, gesetzeskonformen Rücknahmeprogramme künftig noch besser umsetzen. Um solche Programme sowohl für Batterien als auch für andere regulierte Produkte schrittweise in weiteren internationalen Märkten auszurollen, soll Libcycle dank der weltweiten Präsenz von Reconomy künftig als skalierbare Plattform dienen, heißt es in der Mitteilung zur Übernahme. 

Bereits heute vernetze der Münchner Speziallogistiker große OEMs mit nachgelagerten Recyclingpartnern und nutze dafür mehr als 30 Umschlagzentren in Europa. Ein wesentlicher Baustein bleibe weiterhin die Kooperation mit der ehemaligen Muttergesellschaft Intime Group – ein Portfoliounternehmen von Mutares – als Anbieter von Komplettladungen (Full-Truck-Load-Logistik).

Für Mutares markiert der Verkauf den erfolgreichen Exit aus einem Plattform-Investment. Der Beteiligungsgesellschaft zufolge erzielte Libcycle im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,1 Mio. €. 49 Prozent der Firmenanteile halten weiterhin die Gründer Philip Brunotte und Áron Németh, die das Unternehmen gemeinsam mit der RLG führen werden. Johannes Laumann, CIO von Mutares, bezeichnet Licycle als „hervorragendes Beispiel für den Aufbau eines skalierbaren und profitablen Plattformgeschäfts in einem strategisch wichtigen Zukunftsmarkt“. Finanzielle Details zum Kaufpreis wurden nicht veröffentlicht. 

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