
Deutschlands größter Entsorger baut seine Präsenz im Nachbarland Frankreich weiter aus. Remondis hat am Mittwoch den Kauf einer 80-Prozent-Beteiligung an der in Straßburg ansässigen Recycling- und Entsorgungsgruppe Schroll abgeschlossen. 20 Prozent der Louis Schroll SAS verbleiben im Besitz der Familie Schroll, die das Unternehmen 1892 gegründet hat. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.
Die Transaktion werde es Schroll ermöglichen, seine bestehenden Aktivitäten fortzuführen und das Leistungsangebot zu erweitern, zitiert das Online-Regionalmedium Rue89Strasbourg eine Mitteilung des elsässischen Entsorgers. Alle rund 800 Arbeitsplätze des Unternehmens würden erhalten bleiben. Die Schroll-Gruppe werde künftig von Philippe Girard, dem Generaldirektor von Remondis France, zusammen mit Pascal und Édouard Schroll und dem bisherigen Führungsteam geleitet.
Zur Schroll-Gruppe gehören nach ihren Angaben die Tochtergesellschaften Citraval, Recybio, Sardi, Altem, Recostra, Sirmat, Neutralis und die Weber Rohstoff GmbH mit Sitz in Kehl. Letzteres Unternehmen, das zuvor als Altpapier Weber firmierte, wurde 2011 übernommen.
2022 gründete Schroll mit der deutschen BT Group das Gemeinschaftsunternehmen B+S Recyclage, das in der Produktion von Ersatzbrennstoffen aktiv ist und eine Produktionskapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr hat. Zu den Abnehmern der alternativen Brennstoffe gehört das 2023 in Betrieb gegangene EBS-Kraftwerk von BT im elsässischen Chalampé, das das Chemieunternehmen Alsachimie mit Prozessdampf beliefert.
Laut einer Pflichtveröffentlichung erwirtschaftete Schroll 2023 einen Umsatz von rund 82 Mio € und einen Gewinn von rund 2,25 Mio €. Das Unternehmen ist in der Sammlung und Sortierung von Siedlungs- und Gewerbeabfällen tätig und hat 21 Niederlassungen in den Regionen Elsass, Lothringen und Belfort und betreibt eine Flotte von rund 250 Fahrzeugen. Zu den Materialströmen und Aktivitäten gehören Altpapier und Aktenvernichtung, Altkunststoffe, Schrott und Altmetalle, Altholz sowie Bioabfälle.
2024 bewirtschaftete das Unternehmen eigenen Angaben zufolge insgesamt 997.000 Tonnen Abfälle und erzielte eine Verwertungsquote von 91 Prozent. Davon entfielen rund 61 Prozentpunkte auf das Recycling und rund 30 Prozentpunkte auf die energetische Verwertung.
Öffentlich-private Partnerschaften angestrebt
„Im Zuge des Generationswechsels an der Spitze des Familienunternehmens hat die Schroll-Gruppe nach einem langfristigen und nachhaltigen Partner gesucht, um das Geschäft in Zukunft weiterzuführen und das Dienstleistungsangebot auszubauen. Mit dem Familienunternehmen Remondis konnte man sich auf eine Übernahme einigen, bei der alle Arbeitsplätze erhalten bleiben und das Dienstleistungsspektrum für die Kunden erweitert wird", teilte Remondis am 6. Mai mit.
Im Zuge der Neuausrichtung soll das Dienstleistungsangebot Schrolls für kommunale Betreiber nach Aussage des deutschen Entsorgungskonzerns auch im Rahmen von öffentlich-privaten Partnerschaften ausgebaut werden. Remondis verweist dabei auf das französische SEM-Modell für gemischtwirtschaftliche Unternehmen (Société d'économie mixte).
Remondis seit über 20 Jahren in Frankreich aktiv
Remondis ist seit mehr als 20 Jahren in Frankreich über die Tochtergesellschaft Remondis France SAS aktiv und erwirtschaftete dort 2022 einen Umsatz von 40 Mio €, wie aus einem Eigeninterview des Konzerns mit Philippe Girard vom Juni 2023 hervorgeht. Das Unternehmen sammele und behandele 25.000 Tonnen gefährliche Abfälle pro Jahr. Im Bereich nicht gefährliche Abfälle ist Remondis eigenen Angaben zufolge unter anderem durch eine 5,5-Prozent-Beteiligung an dem gemischtwirtschaftlichen Unternehmen Semardel in der Region Essonne südlich von Paris präsent.
Die Tochtergesellschaften Buchen, Remex und Remondis Electrorecycling sind ebenfalls in Frankreich aktiv. Letztere hat einen Standort in Troyes, der den Angaben zufolge 40.000 Tonnen Elektro- und Elektronikaltgeräte jährlich verwertet.
Auch die Remondis-Konzernschwestern Saria und Rhenus sind im Nachbarland tätig. Die gemeinsame Muttergesellschaft Rethmann ist seit 2019 Mitgesellschafter und seit Ende 2024 Mehrheitseigner der französischen Transdev-Gruppe, die im öffentlichen Personennahverkehr aktiv ist.
Remondis gehörte auch zu den Interessenten für die Aktivitäten des französischen Umweltkonzerns Suez, die im Zuge von dessen Übernahme durch den Wettbewerber Veolia wieder als „New Suez“ ausgegliedert wurden. 2023 erwirtschaftete Rethmann einen Umsatz von 22,86 Mrd €, zu dem Remondis 12,1 Mrd € beitrug. Der Jahresumsatz 2024 des Entsorgers erreichte dem Bericht von Rue89Strasbourg zufolge 13,2 Mrd €.
Dieser Artikel wurde am 8. Mai um weitere Informationen ergänzt.



