Der britische Anbieter von KI-gestützter Sortiertechnologie Recycleye hat gemeinsam mit Stadler Anlagenbau und dem Entsorgungsunternehmen Heydt eine ausschließlich KI-basierte optische Sortieranlage für Bau- und Abbruchabfälle in Betrieb genommen. Die auf einem Wertstoffhof von Heydt im baden-württembergischen Aulendorf realisierte Anlage sei die erste ihrer Art in Deutschland und Europa. Weitere gemeinsame Projekte von Recycleye und Stadler in ganz Europa sollen folgen.
Zentrales Element der neuen Sortierlinie ist das von Recycleye entwickelte „QuantiSort“-System, das es der Anlage mithilfe eines proprietären KI-Bildverarbeitungsprogramms ermöglicht, komplexe Materialien wie Ziegel, Beton, Gips, Metalle, Holz, Kunststoff, Fliesen und Glas genau zu identifizieren und zu extrahieren. Die Lösung wurde eigens für den Einsatz in staubigen, stark verschmutzten Materialströmen entwickelt, wo herkömmliche NIR-basierte Systeme an ihre Grenzen stoßen.
Für Heydt bedeutet das Projekt insbesondere einen Durchbruch bei der Rückgewinnung von Ziegelmaterial, das bislang aufgrund seiner hygroskopischen Eigenschaften und Oberflächenverunreinigung nicht wirtschaftlich sortiert werden konnte. Stadler zeichnete für die technische Konzeption und Integration der Anlage verantwortlich.
Victor Dewulf, CEO von Recycleye, spricht von einer „grundlegenden Veränderung“ im Baustoffrecycling und sieht großes Potenzial für die Verwertung schwieriger mineralischer Fraktionen. Auch Stadler und Heydt unterstreichen die wirtschaftliche Relevanz der Technologie. „Diese Partnerschaft zeigt, wie KI praxisnahe und gewinnbringende Lösungen liefern kann“, sagte Michael Heydt, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. Durch den Einsatz von KI werde nicht nur eine neue Fraktion erschlossen, sondern auch die Reinheit anderer Materialströme verbessert.
Juan Carlos Hernández Parrodi, bei Stadler für den Vertrieb in der DACH-Region zuständig, sieht großes Potenzial durch die Kombination der mechanischen Sortierungstechnik und des Anlagenbaufachwissens von Stadler mit KI-gestützter Bildverarbeitungssortierung. „Es eröffnet neue Möglichkeiten, hochwertige Fraktionen aus Bau- und Abbruchabfällen zurückzugewinnen, die bisher downgecycled oder sogar auf einer Deponie entsorgt wurden.“
Wie Recycleye-Manager Matthias Golomb bereits im Interview mit EUWID vergangenes Jahr betonte, sei der Bauschuttbereich wegen seiner schwierigen Bedingungen ein besonders geeigneter Anwendungsfall für KI-basierte Systeme. Golomb verwies dabei auf die hohe Robustheit von Kamerasystemen gegenüber Staub sowie die Fähigkeit der KI, visuell schwer unterscheidbare Materialien zu erkennen – beispielsweise bei Verbundstoffen oder verschmutzten mineralischen Abfällen.




