
Die deutsche Aluminiumindustrie befindet sich nach Angaben ihres Branchenverbands weiter in schwerem Fahrwasser. In nahezu allen Teilbereichen ergaben sich im ersten Quartal 2024 klare Produktionsrückgänge. Selbst die Herstellung von Recyclingaluminium habe sich deutlich verringert – trotz dessen Bedeutung für die Dekarbonisierung Europas und dem damit verbundenen Marktpotenzial, konstatiert Aluminium Deutschland in einer Pressemitteilung.
Verbandsangaben zufolge produzierten die deutschen Refiner und Remelter zwischen Januar und März rund 685.000 Tonnen Sekundäraluminium. Das waren sieben Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Wie berichtet, war die Menge des aus dem Recycling gewonnenen Aluminiums bereits im Gesamtjahr 2023 um sechs Prozent gesunken.
Auch bei der Herstellung von Aluminiumhalbzeug hat sich der Abwärtstrend im neuen Jahr fortgesetzt. Laut Aluminium Deutschland schrumpfte die Produktion im ersten Quartal 2024 um weitere sechs Prozent nach einem Rückgang von neun Prozent im Gesamtjahr 2023.
Für Verbandspräsident Rob van Gils liegen die Ursachen für die Produktionsrückgänge in den hohen Energiekosten und der insgesamt angespannten konjunkturellen Situation in Deutschland, was den Herstellern weiterhin hart zusetze. So bleibe die Nachfrage wichtiger Kundenbranchen – insbesondere aus der Baubranche – auf niedrigem Niveau. Hinzu kämen die schwachen Zulassungszahlen von Elektro-Autos „infolge der über Nacht gestrichenen Förderung durch den Bund“, kritisierte van Gils.
Des Weiteren sehen sich die deutschen Aluminiumhersteller Verbandsangaben zufolge gerade im Strangpressbereich einem zunehmendem Wettbewerbsdruck aus Drittstaaten, insbesondere der Türkei, ausgesetzt. Der Marktanteil der deutschen Hersteller sei hier in den letzten zehn Jahren von knapp der Hälfte auf ein gutes Drittel gesunken. Van Gils dazu: „Wir scheuen nicht den Wettbewerb und sind für freien Handel. Die deutsche Industrie ist wie kaum eine andere auf offene Märkte angewiesen. Aber der Wettbewerb muss zu fairen Bedingungen stattfinden. Die Importflut aus der Türkei wirft zumindest Fragen nach einem Level-Playing-Field auf. Nicht ohne Grund haben die USA hier ein Anti-Dumping-Verfahren angestoßen.“



