
Die österreichische Plansee Group fordert angesichts der angespannten Lage am Wolframmarkt Exportrestriktionen für Wolframschrotte. Der Vorstandsvorsitzende Karlheinz Wex spricht sich dafür aus, entsprechende Beschränkungen mit einer Pflicht zur Wiederaufbereitung und Rückführung in regionale Wertschöpfungsketten zu verbinden. Europa exportiere derzeit einen Teil seiner Wolframschrotte, obwohl diese durch Recycling wieder nutzbar gemacht werden könnten, kritisiert das Unternehmen in einer Mitteilung.
Wie Plansee erläutert, ist Wolfram ein kritischer Rohstoff für zahlreiche Industriezweige, darunter die bearbeitende Industrie, Luftfahrt, Medizintechnik, Elektronik und Verteidigung. Die Situation am Weltmarkt habe sich zuletzt deutlich verschärft. Der Preis für Ammoniumparawolframat (APT), das z.B. für die Erzeugung von Wolframoxiden, -pulver und -säure verwendet wird, habe sich seit Anfang 2025 mehr als verfünffacht. China produziere mehr als 80 Prozent des weltweiten Wolframs und kontrolliere den Großteil des Angebots über Exportkontrollen und -restriktionen. Seit 2025 sei China zudem Nettoimporteur bei Wolfram.
Strategischer Fehler, Rohstoffpotenzial aus dem Recycling nicht zu nutzen
Nach Einschätzung von Wex reicht der Fokus auf neue Minenprojekte zur Sicherung der europäischen Versorgung nicht aus. Diese seien zwar ein wichtiger Pfeiler für die langfristige Absicherung, benötigten aber Jahre bis zur vollen Produktion. Für eine kurz- und mittelfristige Versorgungssicherheit brauche es neben diversifizierten Lieferketten vor allem belastbare regionale Recyclingkreisläufe. Wolframschrotte seien „kein Abfall, sondern eine strategische Quelle“ für den industriellen Schlüsselrohstoff. „Wer sie exportiert, verliert nicht nur einfach Material, sondern industrielle Substanz“, warnt Wex. Dies sei wirtschaftlich kurzsichtig und rohstoffpolitisch riskant.
Wex verweist darauf, dass die Recyclingverfahren für Wolfram seit Langem verfügbar seien und die industrielle Wiederaufbereitung funktioniere. Dennoch würden weltweit rund 70 Prozent des eingesetzten Wolframs bislang nicht recycelt. Wolframschrotte aus Produktion, Nutzung und rücknahme seien ein bislang wenig genutztes Reservoir. Einen so großen Teil dieses kritischen Rohstoffs ungenutzt zu lassen, sei ein strategischer Fehler.
Um Europa resilienter in der Rohstoffversorgung zu machen, braucht es laut Wex zudem den Aufbau einer strategischen Reserve. Voraussetzung dafür sei jedoch zunächst eine konsequentere Nutzung vorhandener Rohstoffquellen, da ein Reserveaufbau in der derzeitigen Mangellage die Knappheit sonst weiter verschärfen könne.
Die in der Tiroler Gemeinde Reutte unweit der deutschen Grenze ansässige Plansee Group bezeichnet sich als größten Wolframversorger außerhalb Chinas. Das Unternehmen deckt nach eigenen Angaben die gesamte Wertschöpfungskette von der Aufbereitung von Schrotten oder Konzentraten bis zu Werkzeugen und Komponenten ab. Im Geschäftsjahr 2025/26 (1.3.-28.2.) fertigte die Gruppe 14.300 Tonnen Wolframprodukte. Rund zwölf Prozent aller weltweiten Wolframprodukte oder entsprechender Vormaterialien stammten demnach von Plansee. Der Recyclinganteil lag bei 91 Prozent, der Anteil von Erzkonzentraten bei neun Prozent.




