
Der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) begrüßt den Entwurf zur nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie grundsätzlich. Die vom Bundesumweltministerium Mitte Juni vorgestellten Maßnahmen seien „ein wichtiges Signal für die zirkuläre Wirtschaft“, erklärte Geschäftsführerin Anemon Strohmeyer gestern. Gleichzeit ruft der Verband aber auch zu einer zeitnahen Veröffentlichung einer mit der NKWS kompatiblen Nationalen Biomassestrategie (NABIS) auf und warnt die Bundesregierung vor Dogmatismus, insbesondere in Bezug auf die Maßnahmen für den Bausektor.
Strohmeyer betonte in ihrer Stellungnahme, dass die Holzwerkstoffindustrie bereits seit Jahren aus Nebenprodukten, Reststoffen und Altholz Produkte fertige, die Kohlenstoff im Holz gebunden halten und damit den Klimaschutzeffekt verlängern und recyclingfähig sind. Gleichzeitig gehöre im Zuge der Energiewende die „hocheffiziente energetische Verwertung insbesondere stofflich nicht verwertbarer Holzsortimente“ zum Kreislauf dazu.
„Dieses Ineinandergreifen bedarf differenzierter, wissenschaftlich basierter Betrachtung und genau dazu geben NABIS und NKWS das Rüstzeug in die Hand“, erklärt Strohmeyer. Im Januar hatte der VHI deutliche Kritik an der Förderung der Verbrennung von stofflich verwertbaren Holzsortimenten geübt. Diese führe die Kreislaufwirtschaft „ad absurdum“.
Am aktuellen NKWS-Entwurf kritisiert der VHI insbesondere die Maßnahmen für den Bausektor. Hier sollte kein genereller Vorrang für die Bestandssanierung gegenüber dem Neubau festgelegt werden, so Strohmeyer. So könne beispielsweise in der individuellen Einzelfallbetrachtung ein Ersatzneubau die sinnvollere Alternative sein, insbesondere wenn es hierbei zu einer Substitution ökobilanziell nachteiliger Baustoffe durch klimafreundlichere wie Holz oder Holzwerkstoffen mit Recyclingholzanteil komme.
Effektiver sei es aus Sicht des VHI, die Bauwende bezüglich der einzusetzenden Materialen nach vorne zu bringen. Hier könne auch das Vergaberecht der öffentlichen Beschaffung eine wichtige Rolle spielen, indem Produkte mit Sekundärrohstoffeinsatz bevorzugt werden. Die Skepsis gegenüber den Maßnahmen für den Bausektor wird auch vom Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) geteilt. Der ZDB kritisierte den aktuellen NKWS-Entwurf scharf und fordert eine grundlegende Überarbeitung.
Gleichzeitig gelte es auch, die Abnehmerseite im Blick zu behalten: „Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern muss das Bewusstsein geweckt werden, dass es sich bei vielen Produkten, insbesondere aus Holz, auch nach ihrem Lebensende um wertvolle Rohstoffe handelt“, erklärt Strohmeyer.
Der VHI vertritt als Branchenverband national und europäisch die Interessen der Hersteller von Span-, Faser- und OSB-Platten, Naturfaser-Verbundwerkstoffen (WPC) sowie von Sperrholz und Innentüren aus Holz und Holzwerkstoffen. Die deutsche Holzwerkstoffindustrie erwirtschaftete im Jahr 2023 einen Umsatz von 5,3 Mrd €.



