Neuer Statusbericht Kreislaufwirtschaft zeigt weiteres Wachstum bei Beschäftigtenzahl und Bruttowertschöpfung

Branche durch globale Krisen und regulatorische Anforderungen aber zunehmend unter Druck

Die Kreislaufwirtschaft setzt den Wachstumskurs der vergangenen Jahre zumindest in Teilbereichen unvermindert fort. Zu diesem Ergebnis kommt der gestern vorgestellte neue Statusbericht Kreislaufwirtschaft. Ein zunehmendes gesellschaftliches Bewusstsein für die Relevanz von stofflichen Verwertungs- und Recyclingprozessen, höhere Anforderungen an die Bereitstellung von Sekundärrohstoffen sowie steigende Erwartungen an die energetische Verwertung würden zu einer anhaltend positiven Entwicklung beitragen. Globale Krisen, geopolitische Konflikte und instabile Lieferketten hätten die systemische Bedeutung der Branche sichtbar gemacht, so die Autoren der Forschungsinstitute Prognos, Infa und Inzin. Gleichzeitig stehen Leistungsfähigkeit, Investitionsbereitschaft und Innovationsdynamik unter zunehmendem Druck.

Die deutsche Kreislaufwirtschaft verfüge mit rund 13.500 Behandlungs- und Entsorgungsanlagen zwar über eine leistungsfähige und hoch technisierte Infrastruktur, heißt es weiter. So hätten Investitionen in den letzten Jahrzehnten für ein dichtes Netz an Sammel-, Sortier-, Aufbereitungs- und Verwertungsanlagen gesorgt. Gleichzeitig würden aber volatile Preise für Sekundärrohstoffe, schwankende Absatzmärkte, steigende Energie-, Sicherheits- und Genehmigungskosten sowie wachsende regulatorische Anforderungen für eine zunehmend angespannte Lage bei den Unternehmen sorgen. Diese führe zu einem Rückgang beim Umsatz sowie bei den Anlagenkapazitäten und auch bei der Gesamtanzahl der Unternehmen in der Branche. Die Autoren sehen in diesen Entwicklungen keine kurzfristigen Effekte, sondern eher strukturelle Probleme. Investitionsentscheidungen würden verzögert, die Auslastung bestehender Kapazitäten gefährdet und die langfristige Planbarkeit erschwert.

Der unter Mitwirkung von insgesamt 15 Verbänden aus der Entsorgungs- und Kreislaufwirtschaft und der IFAT erstellte Statusbericht liefert erneut umfangreiche aggregierte Daten zur Branche. So beschäftigte der private Sektor der Kreislaufwirtschaft im Jahr 2024 rund 322.000 Erwerbstätige – das waren rund 4.000 mehr als ein Jahr zuvor. Gegenüber 2010 stieg die Zahl der Beschäftigten insgesamt um 16 Prozent. Der Sektor beschäftigt zudem viermal so viele Menschen wie die Wasser- und Abwasserwirtschaft und erreicht immerhin mehr als ein Drittel der Beschäftigtenzahl des Fahrzeugbaus. Die Unternehmen der Kreislaufwirtschaft sorgten dabei 2024 für eine Bruttowertschöpfung von 38,0 Mrd. €. Das entspricht einem Plus von rund 700 Mio. € gegenüber dem Vorjahr und einer Steigerung um mehr als 60 Prozent gegenüber 2010. Beim Umsatz weist der Bericht die jüngsten Zahlen für 2023 aus. In diesem Jahr haben die privaten Unternehmen aus der Kreislaufwirtschaft Erlöse in Höhe von 106,3 Mrd. € erwirtschaftet. Das waren fast zwölf Mrd. € weniger als ein Jahr zuvor. Gegenüber 2010 stiegen die Umsätze aber immerhin um fast die Hälfte an.

Teilbereiche werden stark von kommunalen Betrieben dominiert

Weitere 16 Mrd. € Umsatzerlöse wurden 2023 von kommunalen und weiteren staatlichen Unternehmen im Bereich der Abfallwirtschaft generiert. Der deutlich überwiegende Teil der mehr als 9.500 in der Kreislaufwirtschaft tätigen Unternehmen ist privatwirtschaftlich organisiert. Dennoch spielen öffentliche Einrichtungen und Unternehmen in den abfallwirtschaftlichen Kernaktivitäten, also insbesondere in den Bereichen Abfallsammlung und -transport sowie Verwertung und Beseitigung weiterhin eine signifikante Rolle. Insgesamt waren im Jahr 2022 in diesen Marktsegmenten zusammen über 600 Kommunalbetriebe und weitere öffentliche Unternehmen tätig – immerhin ein Anteil von über zehn Prozent. Davon waren rund 90 Prozent auf kommunaler Ebene aktiv, während es sich bei den restlichen zehn Prozent um Landesunternehmen handelte. Mit einem durchschnittlichen Erlös von über 25 Mio. € im Jahr erzielen die öffentlichen Akteure deutlich höhere Umsätze je Unternehmen als private Akteure.

Die zumindest in Teilbereichen bedeutende Rolle öffentlicher und kommunaler Unternehmen verdeutlicht der Bericht auch mit der Übersicht der Marktanteile. So entfällt bei Sammlung und Transport die Hälfte des Marktes auf derartige Betriebe. Hinzu kommen weitere zehn Prozent Marktanteil für gemischtwirtschaftliche ÖPP-Unternehmen, sodass für Private allein lediglich 40 Prozent des Marktes bleiben. Noch kleiner ist der Anteil der Privatwirtschaft bei den mechanischen und mechanisch-biologischen Behandlungsanlagen. Hier liegt der Marktanteil der Kommunen laut Bericht bei fast 60 Prozent. Da ÖPP ein weiteres Viertel des Marktes abdecken, befindet sich nur etwa ein Sechstel der gesamten Behandlungskapazität in rein privater Hand. Mit knapp 30 Prozent fällt der Marktanteil privater Unternehmen bei Müllverbrennungsanlagen zwar etwas höher aus, aber auch hier dominieren kommunale Betriebe das Geschehen. Bei EBS-Kraftwerken und der Sonderabfallverbrennung fällt der Anteil öffentlicher Unternehmen hingegen viel geringer aus.

(Fortsetzung unter der Grafik)

Weniger Unternehmen vor allem im Großhandel sowie der Behandlung und Verwertung

Insgesamt ist die Zahl der in der Kreislaufwirtschaft tätigen Unternehmen seit 2010 um im Schnitt mehr als ein Prozent im Jahr gesunken. In Summe ist die Zahl von 2010 bis 2023 damit um etwa 1.800 zurückgegangen. Am deutlichsten fällt der Rückgang sowohl absolut als auch mit jeweils mehr als 20 Prozent relativ in den beiden unternehmensstarken Marktsegmenten „Großhandel mit Altmaterialien“ und „Abfallbehandlung und -verwertung“ aus. Für die Branche sei die rückläufige Entwicklung bei der Zahl der Unternehmen jedoch kein ausschließlich negatives Signal, heißt es in dem Bericht. Da gleichzeitig die Zahl der Erwerbstätigen, mit Ausnahme des Großhandels mit Altmaterialien, in allen Segmenten wachse, könne die Entwicklung auch als Ausdruck einer wirtschaftlichen Konzentration gedeutet werden. Eine Rolle spielt dabei auch die wachsende Kapitalintensität in Kombination mit fehlenden Nachfolgeregelungen bei vielen kleinen und mittelständisch geprägten Entsorgungsunternehmen.

Die klassischen Marktsegmente „Abfallsammlung, -transport und Straßenreinigung“ und „Abfallbehandlung und -verwertung“ vereinen mit über 5.400 von insgesamt 9.500 Unternehmen einen Großteil der in der Kreislaufwirtschaft aktiven Akteure. Das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“ umfasst weitere 1.200 Unternehmen, während im Bereich „Großhandel mit Altmaterialien“ 2.900 Unternehmen den Kreislauf sekundärer Rohstoffe aus der Abfallwirtschaft sicherstellen. Über alle Segmente hinweg erwirtschaftete ein Beschäftigter in der Kreislaufwirtschaft im Jahr 2023 durchschnittlich einen Umsatz von 335.000 € sowie eine Bruttowertschöpfung von 117.000 €. Während in der Kreislaufwirtschaft der Umsatz pro Erwerbstätigen Schwankungen unterliegt und 2023 ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2021 und 2022 zu verzeichnen ist, ist die Wertschöpfung pro Erwerbstätigen in den letzten zehn Jahren kontinuierlich angestiegen.

Der Bericht zeigt zwischen den vier Marktsegmenten erneut deutliche Unterschiede in Bezug auf den Umsatz der Unternehmen auf. Die höchsten Umsätze werden im Marktsegment „Abfallbehandlung und -verwertung“ erzielt. Der mittlere Umsatz liegt hier bei rund 16 Mio. € pro Unternehmen und 360.000 € je Erwerbstätigen. Dies sei insbesondere auf den Vertrieb von Sekundärmaterialien zurückzuführen. Auch das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“ ist mit 13,1 Mio. € pro Unternehmen sehr umsatzstark, hier lag der durchschnittliche Wert pro Beschäftigten bei etwa 280.000 €. Der niedrigste Wert pro Erwerbstätigen entfällt auf das Marktsegment „Abfallsammlung, Transport und Straßenreinigung“ mit rund 200.000 €, was in einem durchschnittlichen Umsatz von 8,8 Mio. € pro Unternehmen resultiert. Das Marktsegment „Großhandel mit Altmaterialien“ nimmt eine Sonderrolle ein, da es mit 6,8 Mio. € zwar den niedrigsten Umsatz pro Unternehmen verzeichnet, gleichzeitig mit über 950.000 € aber den höchsten Umsatz je Erwerbstätigen erreicht. Dies spiegelt die vergleichsweise geringe Anzahl an Beschäftigten im Großhandel wider.

(Fortsetzung unter der Slideshow)

Branche zwischen technischer Leistungsfähigkeit und wirtschaftlicher Unsicherheit

Aus Sicht von Prognos macht der aktualisierte Statusbericht deutlich, dass Deutschland über funktionierende Systeme zur Erfassung und Behandlung von Abfällen verfüge. Dennoch gelangten Materialien häufig vor allem aufgrund fehlender ökonomischer und regulatorischer Voraussetzungen nicht in höherwertige Kreisläufe. „Produktdesigns, Materialverbunde, fehlende Nachfrage nach Rezyklaten, rechtliche Unsicherheiten und unklare Qualitätsanforderungen verhindern eine konsequente Kreislaufführung.“

Diese Defizite könnten durch technische Innovationen allein nicht kompensiert werden. Da die Branche kontinuierlich in neue Technologien investiere, seien die digitale Stoffstromsteuerung, KI-gestützte Sortierung, automatisierte Aufbereitung und datenbasierte Prozessoptimierung durchaus schon Realität. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen könnten die Innovationen aber nur begrenzte Wirkungen entfalten. „Hohe Investitionsrisiken, lange Genehmigungsprozesse und fehlende Marktsignale bremsen den Übergang von Pilotlösungen in die Breite“, schreibt Prognos weiter. Zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft brauche es daher planbare Märkte, stabile Regeln und eine aktive Nachfragepolitik. 

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