MVV verbrennt in ersten drei Geschäftsquartalen deutlich weniger Abfall

Der Energiekonzern MVV hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2024/25 (1.10.-30.9.) deutlich weniger Abfälle verbrannt. Wie das Mannheimer Unternehmen gestern mitteilte, reduzierte sich die Anlieferungsmenge an den Müllverbrennungsanlagen, Biomasse- und Ersatzbrennstoffkraftwerken im Vorjahresvergleich um 253.000 Tonnen bzw. 15 Prozent auf insgesamt 1,4 Mio Tonnen. Schuld sei eine niedrigere Anlagenverfügbarkeit im MVV-Umweltgeschäft.

Wie das Unternehmen auf Nachfrage erklärte, lagen die Ursachen für die geringere Anlagenverfügbarkeit vor allem an Störungen im operativen Betrieb, an länger als geplanten Revisionsarbeiten sowie Verzögerungen bei Modernisierungsarbeiten.

Welche Anlagen konkret betroffen waren, sagte MVV nicht. Zur Umweltsparte gehören die thermischen Abfallbehandlungsanlagen und Biomassekraftwerke an den deutschen Standorten Mannheim, Leuna, Offenbach und Königs Wusterhausen sowie die britischen Anlagen in Plymouth, Ridham Dock und Dundee. Die beiden EBS-Kraftwerke in Korbach und Gersthofen sind dem Berichtssegment „Kundenlösungen“ zugeordnet.

MVV prüft Berufung gegen abgelehntes Anlagenprojekt in der Grafschaft Dorset

Zwei weitere thermische Abfallbehandlungsanlagen in England befinden sich in der Planung. Für das Projekt Medworth in der Nähe von Wisbech in Cambridgeshire, das über eine jährliche Verbrennungskapazität von 626.000 Tonnen verfügen soll, liegen laut MVV alle behördlichen Genehmigungen für den Bau und Betrieb der Anlage sowie der EPC-Vertrag – im Frühjahr vergeben an das Schweizer Green-Tech-Unternehmen Kanadevia – vor. Aktuell befinde man sich in den bauvorbereitenden Planungen.

Das zweite neue englische Projekt Canford zwischen Wimborne Minster und Poole in der Grafschaft Dorset soll über eine Jahreskapazität von 260.000 Tonnen verfügen. Im Juni erhielt MVV von der britischen Environment Agency zwar die Umweltgenehmigung für die Anlage. Der Planungsausschuss des Stadtrats von Bournemouth, Christchurch und Poole (BCP) lehnte den MVV-Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung jedoch wenige Tage später ab. Wie MVV gegenüber EUWID erklärte, prüft der Konzern derzeit die Möglichkeit einer Berufung.

Konzern-Umsatz und Ebit deutlich gesunken

Insgesamt hat der MVV-Konzern in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2024/25 Umsatzerlöse von 4,9 Mrd € erwirtschaftet. Den Rückgang um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum begründet MVV vor allem mit rückläufigen Großhandelspreisen sowie niedrigeren Absatzmengen in den Bereichen Strom und Gas. Das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted Ebit) verschlechterte sich ebenfalls deutlich um 16 Prozent auf 323 Mio €. Verantwortlich hierfür seien vor allem ein Ergebnisrückgang im Projektentwicklungsgeschäft für erneuerbare Energien, gesunkene erneuerbare Erzeugungsmengen sowie die erwähnte geringere Anlagenverfügbarkeit und niedrigere Stromerlöse im Umweltgeschäft.

Angesichts der angespannten gesamt- und energiewirtschaftlichen Lage sei es dennoch ein „solides Ergebnis“, betonte Vorstandsvorsitzender Gabriël Clemens bei der Vorstellung des Zwischenberichts. Zudem habe der Konzern sein Investitionstempo weiter erhöht. Insgesamt hat MVV in den ersten neun Geschäftsmonaten 301 Mio € und damit 50 Mio € mehr als im Vorjahreszeitraum investiert. Schwerpunkte setzte das Energieunternehmen dabei entlang seines Mannheimer Modells: beim Ausbau grüner Wärme und grünen Stroms sowie bei der Erweiterung seines grünen Produkt- und Dienstleistungsportfolios.

Für das gesamte Geschäftsjahr musste MVV seine Ergebnisprognose dennoch etwas nach unten anpassen. Aus operativer Sicht geht der Konzern nun von einem Adjusted Ebit in einer Bandbreite von 350 bis 370 Mio € aus. In seinem bisherigen Ausblick war MVV noch von einem bereinigten operativen Ergebnis zwischen 350 und 400 Mio € ausgegangen.

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