Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) hat im Rahmen seines IFAT-Messeabends in München vier Personen und Unternehmen mit seinem seit 2014 verliehenen Mittelstandspreis „Die Grünen Engel“ ausgezeichnet. Der Preis wurde in den Kategorien „Lebenswerk“, „Innovative Recyclinglösung“ und „Zukunftsweisende Techniklösung für das Recycling“ vergeben. Darüber hinaus wurde in diesem Jahr ein Sonderpreis „Inklusives Recycling“ verliehen, um eine Lösung mit besonderer gesellschaftlicher Relevanz hervorzuheben.
Der Preis für sein Lebenswerk ging an Jürgen Manzei – „Pionier des Kunststoffrecyclings“, der mit unternehmerischem Mut und Innovationskraft Unternehmen gegründet habe, „die nicht nur wirtschaftlich erfolgreich waren, sondern auch Maßstäbe im Umweltschutz gesetzt haben“. Dabei habe er Lösungen geschaffen, „die heute als selbstverständlich erscheinen, aber damals echte Pionierarbeit bedeuteten“, würdigte Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling, den Preisträger. Sein Lebenswerk stehe für den Aufbau geschlossener Stoffkreisläufe sowie die industrielle Etablierung marktfähiger Produkte aus Recyclingkunststoffen.
Der Preis in der Kategorie „Innovative Recyclinglösung“ ging an die Accurec-Recycling GmbH insbesondere für die Rückgewinnung kritischer Batterierohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt aus Altbatterien. Accurec kombiniert dazu thermische, mechanische und hydrometallurgische Prozessschritte zu einem integrierten Verfahren. Ein zentrales Merkmal des Verfahrens sei der weitgehende Verzicht auf klassische Chemikalien: „Wir brauchen keine Säuren oder Basen, sondern lediglich Wasser, das im Kreislauf geführt wird“, erläuterte der geschäftsführende Gesellschafter, Reiner Sojka, der den Preis für das Unternehmen entgegennahm.
In der Kategorie „Zukunftsweisende Techniklösung“ wurde ein Gemeinschaftsprojekt der Korn Recycling GmbH und WeSort.AI ausgezeichnet. Die prämierte Lösung X.Sort (auch bekannt als BatterySort) adressiere eines der aktuell drängendsten Probleme moderner Sortieranlagen: Lithium-Ionen-Batterien im Abfallstrom. Diese gelten als Hauptursache für Brände in Recyclinganlagen. Das entwickelte System ermögliche erstmals die vollautomatische und präventive Ausschleusung von Batterien aus gemischten Stoffströmen – bevor es zu Beschädigungen oder Bränden kommt. Technologische Grundlage ist die Kombination von Röntgentechnik und künstlicher Intelligenz.
Sonderpreis „Inklusives Recycling“
Mit dem Sonderpreis „Inklusives Recycling“ zeichnete die Jury die Eichhorn Transport- und Entsorgungs-GmbH aus. Deren Idee: Tastbare 3D-Symbole zur Kennzeichnung von Abfallbehältern, die blinden und sehbehinderten Menschen eine eigenständige Mülltrennung ermöglichen. „Manchmal sind es kleine Ideen, die den Alltag ein Stück einfacher machen“, betonte Dominik Eichhorn. Ziel sei es gewesen, Barrieren abzubauen und Menschen mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen: „Recycling bedeutet Verantwortung – und Verantwortung bedeutet, niemanden zurückzulassen.“
Die Lösung sei bewusst einfach gehalten, robust im Alltag einsetzbar und niedrigschwellig skalierbar: Die benötigten 3D-Daten werden kostenfrei zur Verfügung gestellt und können mit handelsüblichen Druckern reproduziert werden. Entwickelt wurde das Konzept in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund.




