Kunststoffverarbeiter: Brauchen Wachstumsagenda und weniger Bürokratie

GKV: Flut von Rechtsvorschriften gefährdet Existenz der Unternehmen

Die Kunststoffverarbeiter in Deutschland verzeichneten 2023 schrumpfende Umsätze. Der Umsatz des Industriezweigs fiel gegenüber dem Vorjahr um ca. sechs Prozent auf 72,5 Mrd €. Das ist ein Ergebnis der Mitgliederumfrage des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV). Dabei ging der Inlandsumsatz stärker zurück als der Umsatz mit dem Ausland. Für das laufende Jahr rechnen 45 Prozent der befragten Unternehmen mit einem weiteren Umsatzrückgang. Ähnlich sieht es bei den Gewinnen aus. Für dieses Jahr erwartet nur etwas mehr als ein Viertel der befragten Unternehmen eine Steigerung. Die Folge des Auftragsrückgangs sind für viele Branchenunternehmen Kurzarbeit und Investitionsstopp, klagt der Verband.

Die Ursache für den Umsatzrückgang sieht der Branchenverband in den aktuell ungünstigen Rahmenbedingungen für die deutsche Industrie. Die Unternehmen seien zudem derzeit zurückhaltend bei Investitionen. Dies sei ebenfalls den unsicheren Zukunftsperspektiven für die Industrie in Deutschland geschuldet. GKV-Präsidentin Helen Fürst fordert eine Wachstumsagenda für Deutschland. „Die Ursachen der aktuellen Wirtschaftskrise in Deutschland sind überwiegend struktureller Natur. Deshalb brauchen wir eine zukunftsorientierte Wachstumsagenda, damit die Industrie in Deutschland in zwei bis drei Jahren wieder Fahrt aufnehmen kann“, so Fürst. Die Agenda müsse insbesondere die Themen Energie, Bürokratie, Investitionen und Digitalisierung adressieren, führte die Präsidentin weiter aus.

„Ich bin davon überzeugt, die Wachstumsagenda kann die dringendsten Probleme unserer Wirtschaft lösen, Verlässlichkeit und verlorenes Vertrauen wiederherstellen und den Menschen in Deutschland neue Zuversicht geben“, sagte Fürst. Sorgen bereiten vielen Kunststoffverarbeitern vor allem die steigenden Energie- und Lohnkosten. „Den meisten Unternehmen gelang es 2023 nur teilweise, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben“, ergänzte GKV-Hauptgeschäftsführer Oliver Möllenstädt. Diese Entwicklung gefährde mittelfristig die Existenz vieler Kunststoffverarbeiter.

Fürst beklagte eine „Flut an neuen und immer detaillierteren Rechtsvorschriften und Meldepflichten“, die für die große Mehrheit der mittelständischen Unternehmen kaum mehr zu bewältigen sei und die Unternehmen zusehends verunsicherte. So sei die Europäische Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle von zuvor 25 Artikeln auf 29 Seiten auf 65 Artikel auf mehr als 100 Seiten in diesem Jahr zuzüglich vieler neuer Anhänge und Ermächtigungen der Kommission für zusätzliche delegierte Rechtsakte angewachsen.

Für andere europäische Rechtsnormen wie die Vorschriften für Altfahrzeuge und Bauprodukte gelte das in ähnlichem Maße. Zusätzliche Berichts- und Nachweispflichten entstünden für die Unternehmen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, dem neuen Energieeffizienzgesetz, dem neuen Einwegkunststofffondsgesetz, der Taxonomie, der CSRD, demnächst womöglich noch einer neuen EU-Verordnung gegen Kunststoffgranulat-Verluste. Immer mehr Bürokratie schaffe aber nicht mehr Innovationen, sondern sie gefährde die Existenz von Unternehmen, kritisiert die GKV-Präsidentin.

Regierung soll auf Plastiksteuer verzichten

Der Verband forderte zudem den sofortigen Verzicht auf die „Plastiksteuer“, mit der ab 2025 Verbraucher für einen Teil des EU-Mitgliedsbeitrags zur Kasse gebeten würden. „Mit dem Griff in die Taschen der Verbraucher wird weder für die Wirtschaft noch für die Umwelt irgendetwas besser. Ein Verschieben der Plastiksteuer um ein Jahr fördert die Verunsicherung und ist keine Lösung. Wir fordern: Die Bundesregierung muss auf ihre Pläne für eine unsinnige, unsoziale und schädliche Plastiksteuer sofort verzichten“, so Fürst.

Mit Blick auf die Mitgliederumfrage sprach der GKV von einer anziehenden Nachfrage nach Kunststoffrezyklaten. Demnach gab fast jedes zweite Mitgliedsunternehmen an, im letzten Jahr mehr Rezyklate verarbeitet zu haben als im Vorjahr. Für das Jahr 2024 prognostizieren die Unternehmen einen weiteren Anstieg der verarbeiteten Kunststoffrezyklatmengen. Zudem geben mittlerweile 24 Prozent der Unternehmen an, weitgehend klimaneutral zu produzieren. Weitere 24 Prozent planten dies. Laut GKV haben die knapp 3.000 Mitgliedsbetriebe im vorigen Jahr rund 12,7 Mio Tonnen Kunststoff verarbeitet – ein Minus von neun Prozent gegenüber 2022. Davon seien unverändert 2,4 Mio Tonnen Rezyklate einschließlich Nebenprodukten gewesen.    

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