„Künstliche Intelligenz wird viele manuelle Sortierprozesse ersetzen“

Matthias Golomb, Technical Sales Manager bei Recycleye, im Gespräch

Maschinelle Lernmodelle können beim Sortieren von Abfällen für eine konsistente Qualität des Outputs sorgen und die Kosten senken. Davon ist Matthias Golomb von Recycleye überzeugt. Das britische Startup, für das er als Technical Sales Manager tätig ist, verbindet optische Erkennungssysteme mit künstlicher Intelligenz: Am Anfang zeigt man der KI viele Bilder, zum Beispiel eine Aluminiumdose von oben, von unten, von der Seite, zerdrückt und geschreddert. Und irgendwann merkt sich das System die Eigenschaften und kann Objekte identifizieren. Wir haben mit Matthias Golomb über Herausforderungen und Erfolge, aktuelle Projekte und Perspektiven der Technologie gesprochen.

Herr Golomb, wie wird KI Ihrer Meinung nach die Arbeit von Entsorgern und Verwertern verändern? Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?

Ich denke, in Deutschland wird KI zunächst erstmal hauptsächlich zur Stoffstromüberwachung eingesetzt werden. Das heißt, um zu schauen, was überhaupt in meine Anlage hineingeht. Kann ich die Anlage demnächst danach steuern und die Qualität überwachen, die aus der Anlage herauskommt? Und in Zukunft wird KI definitiv ein paar Nischen füllen. Sie muss nicht alles können, denn in einigen Bereichen laufen NIR-Sortiersysteme super. Aber in anderen Bereichen wird sie ihren rechtmäßigen Platz finden. Höchstwahrscheinlich kann sie viele manuelle Sortierprozesse ersetzen, da die KI wie ein Auge arbeitet. Aber auch nicht alle Prozesse, weil zur Ausbringung die Handmotorik fehlt.

Welche Nischen werden das sein? Wo sehen Sie den größten Bedarf?

Generell können wir überall dort Lücken schließen, wo keine Materialcharakterisierung, sondern eine Objekterkennung erforderlich ist. Zum Beispiel bei Verbundmaterialien, PET-Flaschen mit Überzügen oder Flüssigkartons, die Aluminium und Papier enthalten.

Sehr viele Nachfragen kommen aus dem Bauschuttbereich, einfach weil es ein schwieriges Umfeld ist: Ein Infrarotsortierer mit Halogenlampen verträgt sich nicht besonders gut mit Staub und Schmutz. Da wir nur mit einer Kamera und einfachen LED-Lichtern auskommen, ist das Ganze relativ robust. Und auch im Stahl- und E-Schrott-Bereich gibt es viel Interesse.

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