„Wir sind extrem schnell in der Anpassung von Technologien und Produkten – wenn der Markt es will“, sagte Achim Ilzhöfer, Global Circular Economy Manager des Kunststoffherstellers Covestro, bei einer Diskussion anlässlich der Kreislaufwirtschaftstage Münster. Mit „wir“ meint er die Industrie, während die Gesetzgebung im Tempo deutlich hinterherhinke. Als „Circularity Gap“ beschrieb Viktor Haase (Grüne), Staatsekretär im nordrheinwestfälischen Umweltministerium, den Unterschied zwischen der Vielzahl an Gesprächsrunden sowie ambitionierten politischen Zielen und dem, „was wir tatsächlich schon erreicht haben“. Wie sich die Umsetzungslücke schließen lässt und welchen Beitrag Kreislaufwirtschaftsstrategien dabei leisten können, darüber debattierten letzte Woche Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.
Einen der größten Hebel, um ökonomische Anreize für einen Wandel zu setzen, identifizierte Remondis-Geschäftsführer Herwart Wilms, der auch Vizepräsident beim europäischen Dachverband FEAD und dem deutschen Entsorgerverband BDE ist: „Die öffentliche Hand fragt Produkte im Wert von 500 Mrd € pro Jahr nach – warum nutzen wir dieses Potenzial nicht?“, fragte er und lieferte die Antwort gleich dazu: Öffentliche Institutionen müssten rechtssicher einkaufen. Aktuell fehle es ihnen an einer Grundlage, um nicht nur nach dem Preis, sondern auch nach ökologischen Kriterien zu entscheiden. „Ein Label, an dem der öffentliche Einkäufer, aber auch der private oder industrielle erkennen kann, hier handelt es sich um ein grünes Produkt, das kannst du auch ein bisschen teurer einkaufen“ – das sei von der Politik versprochen, aber nicht umgesetzt worden, so Wilms. Ein solches Labelling würde aber einen regelrechten „Nachfragesog“ erzeugen – „und dann gibt es hinterher Skaleneffekte, sodass diese Produkte beim Hochfahren der Stückzahlen günstiger werden“.
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