In der Abfallwirtschaft läuft heute kaum noch ein Prozess ohne IT. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Sicherheit, Rechtskonformität, Effizienz und Innovationsfähigkeit stetig. Der Arbeitskreis Datenmanagement in der Umwelt- und Abfallwirtschaft (ak dmaw) begleitet diese Entwicklung seit vielen Jahren als Plattform für Austausch und Zusammenarbeit. Im EUWID-Gespräch blickt Geschäftsstellenleiter Achim Birr auf die Anfänge des ak dmaw zurück, skizziert die aktuellen IT-Fragen der Branche und erläutert, warum gemeinsames Lernen und Vernetzen wichtiger denn je sind.
Herr Birr, am Anfang des ak dmaw stand die Entwicklung eines branchenspezifischen Planungsstandards. Wie kam es dazu, und was war damals die zentrale Herausforderung?
Mitte der 1990er-Jahre zeigte sich in der Abfallwirtschaft, insbesondere im Bereich der Deponien, ein sehr konkreter Orientierungsbedarf: Viele Betreiber konnten noch nicht präzise beschreiben, welche Anforderungen ein Datenmanagementsystem erfüllen musste, um gesetzliche Vorgaben und betriebliche Abläufe verlässlich abzubilden. Gesucht wurde eine Art „Deponiesoftware für alles“, ohne dass die Anforderungen wirklich klar beschrieben waren. Der erste Standard sollte deshalb eine praxistaugliche Leitlinie schaffen. Davon profitierten alle Beteiligten – die Deponiebetreiber, die den Standard kostenlos erhielten, ebenso wie die Softwarehäuser, für die eine Planung auf dieser Grundlage deutlich verlässlicher wurde.
Aus dieser gemeinsamen Arbeit entwickelten sich dann Schritt für Schritt weitere Aktivitäten des ak dmaw – zunächst Fachtagungen, später auch gemeinsame Messeauftritte und zunehmend Kooperationen zwischen Unternehmen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dabei zeigte sich, dass Wettbewerb einer Zusammenarbeit an sinnvollen Stellen nicht entgegenstehen muss, wenn jede Seite ihre jeweilige Kernkompetenz einbringt und Systeme über gemeinsame Schnittstellen verbunden werden. So ist über die Jahre ein Netzwerk entstanden, in dem heute in vielen Bereichen der digitalen Abfallwirtschaft Fachunternehmen vertreten sind, ebenso wie Anwender und Umsetzer aus kommunalen und privaten Entsorgungsunternehmen sowie IT-Anbieter und Berater.
Wo erleben kleinere und mittlere Unternehmen in der Umwelt- und Abfallwirtschaft aktuell die größten IT-Herausforderungen: eher bei rechtlichen Anforderungen und Informationssicherheit oder eher bei der Modernisierung gewachsener Prozess- und Systemlandschaften?
Bei beidem. Rechtliche Anforderungen zu erfüllen und Informationssicherheit sicherzustellen, ist für alle Unternehmen Pflicht. Das erfordert qualifiziertes Personal, viel fachliche und organisatorische Arbeit und nicht zuletzt erhebliche finanzielle Mittel. Aber hier gibt es gute und belastbare Hilfestellungen, etwa in Form von Normen, Standards und praxisnahen Leitfäden, die aus Kooperationen zwischen Verbänden, Entsorgern und Softwarehäusern hervorgegangen sind – beispielsweise der B3S-Standard im Kritis-Umfeld.
Anders gelagert sind die Herausforderungen bei der Modernisierung gewachsener Prozess- und Systemlandschaften. Hier gibt es deutlich seltener klare Vorgaben oder Standards. Hinzu kommt, dass es in Deutschland kaum identische Prozesse gibt.
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