Knauf und BSR legen Standort für Gipsrecyclinganlage in Mittelfranken fest

Der Baustoffhersteller Knauf und die BSR Bodensanierung Recycling GmbH haben sich auf einen Standort für ihre geplante Gipsrecycling-Anlage in Bayern festgelegt. Wie Knauf mitteilt, soll die Anlage in der mittelfränkischen Marktgemeinde Neuhof an der Zenn westlich von Nürnberg entstehen. Der Gemeinderat habe am Montag einstimmig zugestimmt. Den ersten Spatenstich wollen die beiden Familienunternehmen noch in diesem Sommer tätigen. Die Inbetriebnahme der Anlage ist Anfang 2027 geplant.

In Neuhof an der Zenn sollen gipsbasierte Materialien aus Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen so aufbereitet werden, dass sie wieder als hochwertiger Rohstoff für die industrielle Weiterverarbeitung genutzt werden können. Der erzeugte Recyclinggips werde an Knauf-Produktionsstandorte in rund 50 Kilometer Entfernung geliefert und dort in der Gipskartonplattenproduktion eingesetzt. Knauf betont den regionalen Ansatz: „Wir schließen den regionalen Rohstoffkreislauf. Der bayerische Recyclinggips aus Neuhof wird eine wichtige Ergänzung zum Naturgipsabbau werden“, erklärte Martin Brown, Geschäftsführer der Knauf Recycling Holding und Head of Supply Chain Management EMEA. Ziel sei eine langfristige Rohstoffstrategie, ausgerichtet auf „Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit“, so Brown weiter.

BSR sieht das Projekt als konsequenten Schritt in der Weiterentwicklung des eigenen Recyclingansatzes. „Gips ist ein Baustoff, der sich bei entsprechender Qualität endlos wiederverwenden lässt. Mit der neuen Anlage schaffen wir die Voraussetzungen, gipsbasierte Materialien hochwertig aufzubereiten und wieder in den Rohstoffkreislauf zurückzuführen“, sagte der Geschäftsführer des Ingolstädter Unternehmens, Maximilian Hammer.

Auch die Kommune hebt die ökologischen und wirtschaftlichen Aspekte des Projekts hervor. Neuhofs Bürgermeisterin Claudia Wust erklärte: „Die geplante Anlage schont Ressourcen, reduziert Emissionen und vermeidet Deponierung –gleichzeitig stärkt sie unseren Standort ganz konkret.“ So entstünden neue Arbeitsplätze und die regionale Wertschöpfung bleibe vor Ort.

Noch keine Angaben zur Anlagenkapazität

Träger des Vorhabens ist die Bayerische Gipsrecycling GmbH (BGR) als Joint Venture der beiden Familienunternehmen. BSR soll die Anlage betreiben und seine Erfahrung bei der Sammlung von Gipsabfällen und dem Betrieb von Recyclinganlagen einbringen; Knauf liefert Know-how zur Verarbeitung von Recyclinggips und nimmt das Material für die Plattenproduktion ab.

Wie Knauf und BSR bereits bei der Gründung des Joint Ventures im Oktober erklärten, soll es sich bei der geplanten Anlage in Bayern um „eine der modernsten Gipsrecyclinganlagen Europas“ handeln. Angaben zur Investitionshöhe und zur genauen Anlagenkapazität wurden bisher nicht gemacht.

Knauf begründete das Vorhaben seinerzeit mit dem großen Potenzial des Gipsrecyclings. Demnach würden von den rund 740.000 Tonnen Gipsabfall, die jährlich in Deutschland anfallen, nur etwa 63.000 Tonnen recycelt. Dem stehe ein Bedarf von rund zehn Mio. Tonnen Gips gegenüber. Knauf zufolge hat allein Bayern einen Gipsbedarf von 1,6 Mio. Tonnen pro Jahr.

Auch im Ausland treibt die Iphofener Unternehmensgruppe das Thema Gipsrecycling voran. Erst vergangene Woche gab Knauf die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem französischen Gipsrecycler Ritleng Revalorisations bekannt. Das Joint Venture werde sich an dem im Bau befindlichen Gipsrecycling-Werk in Auneuil im nordfranzösischen Département Oise beteiligen. Die Inbetriebnahme ist für Ende der ersten Jahreshälfte geplant.

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