Knauf und BSR erhalten Genehmigung für Gipsrecyclinganlage in Bayern

Die Knauf-Gruppe und die Ingolstädter BSR Bodensanierung Recycling GmbH haben die immissionsschutzrechtliche Genehmigung für ihre gemeinsam geplante Gipsrecyclinganlage in Neuhof an der Zenn erhalten. Die Genehmigung durch den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim markiere den nächsten wichtigen Meilenstein für den Aufbau eines regionalen Rohstoffnetzwerks in Bayern, teilte der unterfränkische Gipshersteller aus Iphofen mit.

Genehmigt wurden demnach die Recyclinghalle, Lager- und Umschlagsflächen, Verkehrs- und Zufahrtsbereiche sowie der Anlagenbetrieb auf einer Gesamtfläche von rund 10.000 Quadratmetern. Noch im Sommer sollen die Erdarbeiten beginnen, anschließend ist der Hallenbau vorgesehen. Ab Spätherbst soll nach aktuellem Planungsstand die Montage der Recyclingtechnik starten. Die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

Anlage soll jährlich bis zu 90.000 Tonnen Gipsabfälle verarbeiten

In der Anlage sollen künftig gipsbasierte Materialien aus Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen sowie geeignete Produktionsreste aufbereitet und wieder dem industriellen Rohstoffkreislauf zugeführt werden. Die Verarbeitungskapazität ist auf bis zu 90.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Der aufbereitete Recyclinggips soll an die rund 50 Kilometer entfernten Knauf-Produktionsstandorte geliefert und dort in der Gipskartonplattenproduktion eingesetzt werden.

Knauf und BSR hatten das Projekt im vergangenen Jahr über das gemeinsame Unternehmen BGR Bayerische Gipsrecycling GmbH auf den Weg gebracht. Im Januar wurde Neuhof an der Zenn im mittelfränkischen Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim als Standort festgelegt. BSR soll die Anlage betreiben und seine Erfahrung bei Sammlung und Recycling von Gipsabfällen einbringen; Knauf liefert Know-how zur Verarbeitung von Recyclinggips und nimmt das Material für die eigene Plattenproduktion ab.

Gipsrecycling kann nur Teil der Lücke durch REA-Gips-Wegfall schließen

Knauf sieht die Anlage als Ergänzung zum weiterhin notwendigen Abbau von Naturgips. Hintergrund ist die sogenannte Gipslücke durch den Rückgang von REA-Gips aus der Kohleverstromung. Nach Angaben des Unternehmens gehen die verfügbaren Mengen bereits schneller zurück als ursprünglich prognostiziert. Gleichzeitig bleibe der Bedarf an Gips für Wohnungsbau, energetische Sanierungen und Infrastrukturprojekte hoch.

Der jährliche Rohstoffbedarf der gipsverarbeitenden Industrie in Deutschland liegt laut Knauf derzeit bei rund neun bis zehn Mio. Tonnen. Dem stünden weniger als 600.000 Tonnen Gipsabfälle pro Jahr aus Rückbau- und Sanierungsmaßnahmen gegenüber, von denen nur ein Teil technisch für hochwertiges Recycling geeignet sei.

Ein im Auftrag des Landes Niedersachsen aktuell erstelltes Gutachten bestätigt diesen Sachverhalt: Gipsrecycling habe noch Potenzial, könne aber nicht die Lücke durch den Wegfall von REA-Gips schließen, so das Ergebnis der mit der Untersuchung beauftragten Firma Gicon Resources.

Knauf: Eigene Kapazitäten für Recyclinggips machen uns unabhängiger

„Rohstoffsicherheit ist ein zentrales Thema – nicht nur für die Baustoffindustrie, sondern für den gesamten Industriestandort Deutschland“, betonte Martin Brown, Geschäftsführer der Knauf Recycling Holding und Head of Supply Chain Management EMEA, die strategische Bedeutung des Anlagenprojekts in Bayern. Knauf investiere in eigene Kapazitäten für Recyclinggips, um unabhängiger zu werden. Die Gruppe habe sich bewusst entschieden, heimische Naturgipsquellen und hochwertiges Recycling zu kombinieren, um langfristig eine stabile und nachhaltige Rohstoffversorgung sicherzustellen.

BSR-Geschäftsführer Maximilian Hammer wertete die Genehmigung als wichtiges Signal für die Region und den Industriestandort Bayern. „Mit diesem Projekt schaffen wir gemeinsam ein regionales Rohstoffnetzwerk, das langfristig Rohstoffversorgung, Wertschöpfung und nachhaltiges Recycling miteinander verbindet.“ Das Genehmigungsverfahren sei in konstruktiver Zusammenarbeit mit Gemeinde, Landkreis und beteiligten Fachstellen effizient und „in Rekordzeit“ umgesetzt worden, betonte Hammer. Dies zeige, „dass innovative Industrie- und Recyclingprojekte in der Region partnerschaftlich realisiert werden können.“

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