Knapp fünf Prozent der Biotonnen bundesweit mit Störstoffen fehlbefüllt

Nach zwei Wochen ist die erste bundesweite Kontrolle von Biotonnen hinsichtlich ihrer richtigen Befüllung abgeschlossen: Von exakt 334.336 kontrollierten Tonnen bestanden über 15.000 Biotonnen den Test nicht und wurden daher nicht geleert, teilte die beteiligte Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung mbH (GAB) mit. Im Kreis Pinneberg und damit im Zuständigkeitsbereich der GAB wurden rund 9.000 Biotonnen überprüft, 149 Tonnen davon blieben ungeleert.

Notwendig wurde die Aktion des Vereins Wirfuerbio, weil die Herstellung von Qualitätskompost aus Bioabfall für deutsche Abfallwirtschaftsbetriebe durch zu hohe Störstoffanteile immer schwieriger wird und die Bioabfallverordnung die zulässigen Fremdstoffgehalte zunehmend verschärft hat, so die GAB. Obst- und Gemüsereste, verdorbene Lebensmittel, Rasenschnitt – all das landet im Kreis Pinneberg seit 2015 in der Biotonne – und leider auch immer mehr Störstoffe, allen voran Plastiktüten und Produkte aus Bioplastik.

Um das Trennverhalten der Bürgerinnen und Bürger positiv zu beeinflussen, haben sich die GAB und der Kreis Pinneberg der bundesweiten Aktion angeschlossen. Unter dem Motto „Dein Biomüll ist wichtig fürs Klima!“ wurden in mehr als 50 Kreisen und Städten die Tonnendeckel hochgeklappt. Während im Kreis Pinneberg die Beanstandungsquote bei 1,66 Prozent lag, waren es bundesweit 4,6 Prozent. Der Anteil nicht geleerter Tonnen variierte regional jedoch stark. „Vor allem in den Ballungsgebieten ist die saubere Trennung von Biomüll noch problematisch“, konstatiert Jens Ohde, Vorstandsvorsitzender des Vereins Wirfuerbio.

Die GAB und der Kreis Pinneberg ziehen ein positives Fazit: Das Feedback aus der Bevölkerung sei überwiegend positiv und verständnisvoll. „Insgesamt ist das Trennverhalten der Bürgerinnen und Bürger erfreulich, leider gibt es aber immer wieder Ausnahmen. Wir wollen das Trennverhalten positiv beeinflussen und mit den Stichprobenkontrollen aufklären, nicht bestrafen“, betont Julia Dolezil, Fachdienst Service Abfallwirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit beim Kreis Pinneberg. Die GAB ist auf das korrekte Trennverhalten der Bürger angewiesen. „Wir wollen weiter in den Küchen und Biotonnen positive Veränderungen bewirken. Denn nur aus sauberen Bioabfällen kann saubere Komposterde werden“, so GAB-Sprecherin Kristina Engels.

Nach den Erfahrungen von Martin Idelmann, Beiratsmitglied von Wirfuerbio und Vorstandsvorsitzender des Verbandes für Humus- und Erdenwirtschaft (VHE), reduziert sich der Störstoffanteil im unmittelbaren Zeitraum nach derartigen Kontrollen um bis zu zwei Drittel. „Nach den Kontrollen erreichen wir Störstoffanteile unterhalb der Ein-Prozent-Marke“, sagte Idelmann. „Die Kontrollaktion ist ein wichtiges Werkzeug, um das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger zu schärfen.

Bei einer bundesweiten Störstoffquote von 4,6 Prozent pro Jahr bedeutet dies konkret auf das Jahr gerechnet, dass 69.000 Menschen weniger mit Energie aus Bioabfall versorgt werden. Bei dieser hohen Quote nicht geleerter Tonnen werden zudem pro Jahr 92.000 Tonnen weniger Kompost produziert, die nicht in die Landwirtschaft gehen. Somit steigt folglich der Bedarf an nitratreichen Düngemitteln. Bei vollständig korrekter Befüllung ließen sich 25.600 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

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