Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) sieht im neu beschlossenen Industriestrompreis strukturelle Defizite und warnt vor Wettbewerbsnachteilen für das Kunststoffrecycling. Nach Darstellung des Verbands profitiert die Branche bislang kaum von der konkreten Ausgestaltung der Entlastungsregelungen.
Kunststoffrecycling sei jedoch energieintensiv und auf wettbewerbsfähige Strompreise angewiesen. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass eine Branche, die nachweislich große Mengen Energie einsetzt, im aktuellen System kaum berücksichtigt wird. Kunststoffrecycling ist energieintensiv – und zwar entlang der gesamten Prozesskette“, erklärte Anna Roeb, Fachreferentin für Kunststoffrecycling beim bvse.
Der Verband kritisiert insbesondere, dass energiepolitische Entlastungen vor allem klassischen Grundstoffindustrien wie Stahl oder Chemie zugutekämen, während Recycler weitgehend außen vor blieben. Dies führe zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Sekundärrohstoffen. „Wer es mit Klimaschutz und Ressourceneffizienz ernst meint, darf die Recyclingwirtschaft nicht strukturell benachteiligen“, so Roeb.
Als zentralen Grund für den Ausschluss nennt der bvse die weiterhin angewendete Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008. Diese führe dazu, dass Teile der Kunststoffrecyclingbranche formal nicht als förderfähig gelten. Die aktuellere Klassifikation WZ 2025 bilde die Branche nach Verbandsangaben dagegen differenzierter ab und ordne sie teilweise als energieintensiv ein. „Die Nutzung einer veralteten Klassifikation führt zu massiven Fehlsteuerungen. Unternehmen werden allein aufgrund formaler Zuordnungen ausgeschlossen – das hat mit der Realität energieintensiver Produktion nichts zu tun“, erklärte Roeb....




