
Norddeutschland sei aufgrund der vorhandenen maritimen Infrastruktur prädestiniert, eine Vorreiterrolle für Schiffsrecycling einzunehmen, sagte der Rostocker IHK-Präsidente Klaus-Jürgen Strupp gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings liege aktuell keine der knapp 30 Abwrackwerften der EU in Deutschland, was insbesondere auf die hohen Markteintrittsbarrieren für Schiffsrecyclingwerften in Deutschland zurückzuführen sei. Im Gegensatz zu Deutschland würden in Nachbarländern wie Dänemark, Belgien und den Niederlanden Zulassungen vergleichsweise schnell erwirkt, betonte Strupp.
Nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) werden 90 Prozent der jährlich ausgemusterten Schiffe in Südasien recycelt. Sven Olsen von der IHK Rostock verwies auf die EU Ship Recycling Resolution (EU-SRR), wonach Schiffe unter EU-Flagge nur auf EU-zugelassenen Werften recycelt werden dürfen. Die EU-Kommission veröffentliche regelmäßig eine Liste zugelassener Recyclingwerften. Allerdings sei die Anzahl der zertifizierten Abwrackwerften und die damit verbundene Kapazität nicht ausreichend, um das Recycling aller Altschiffe unter EU-Flagge zu gewährleisten.
Zudem werde mit Inkrafttreten des Hongkong-Übereinkommens im Jahr 2025 der Bedarf an zertifizierten Abwrackwerften weiter zunehmen. Dadurch steige die Wettbewerbsfähigkeit von Abwrackwerften in der EU.
Nach VDR-Angaben ist der aus den Schiffen gewonnene Gebrauchtstahl ein geschätzter Rohstoff. Allein in Bangladesch deckten die Recyclingwerften etwa 80 Prozent des Stahl-Rohstoffbedarfs des gesamten Landes. IHK-Experte Olsen gab zudem zu bedenken, dass gerade für CO2-arm produzierten „grünen“ Stahl ein hoher Anteil Stahlschrott erforderlich sei. (dpa/eigener Bericht)



