Hessen wirbt für mehr Recycling im Straßenbau

In ihrem im Sommer letzten Jahres beschlossenen „Verkehrspaket I“ hat sich die hessische Landesregierung zum Ziel gesetzt, den Straßenbau im Land zu beschleunigen. Die vom Wirtschaftsministerium hierfür ins Leben gerufene Expertenkommission „Innovation im Straßenbau“, an der sich auch Vertreter der Entsorgungswirtschaft beteiligten, hat am Mittwoch nun Empfehlungen vorgelegt, wie das Planen und Bauen hessischer Straßen einfacher, digitaler und ressourcenschonender werden kann. Dabei macht sich die Kommission auch für einen verstärkten Einsatz von Ersatzbaustoffen im Straßen- und Brückenbau stark und spricht sich für eine vereinfachte Anwendung der Ersatzbaustoffverordnung aus.

„Für mich ist klar, wir müssen den Straßenbau effizienter, nachhaltiger und wirtschaftlicher machen“, erklärte der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Eckpunktepapiers der Expertenkommission. Dass Verkehrsprojekte mitunter jahrelang im Verfahren hängen blieben, liege vor allem an Verfahrenshemmnissen. „Der größte Bremsklotz liegt nicht im Bau selbst, sondern in den Verfahren – in Vergaben, Nachweisen, Abrechnungen und der praktischen Anwendung von Regelwerken“, so Mansoori. Die Kommission liefere deshalb keine abstrakten Reformideen, sondern eine arbeitsfähige Grundlage.

Vereinfachte Wiederverwendung vor Ort

Das Eckpunktepapier fußt auf drei Pfeilern: „Prozesse und Digitalisierung“, „Bauvergabe und Bauvertragsangelegenheiten“ sowie „Recycling im Straßenbau und Verwendung alternativer Baustoffe“. Mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft sprechen sich die Experten unter anderem für eine Vereinfachung der Wiederverwendung von Materialien auf Baustellen aus. Ziel müsse es sein, die Wiederverwendungsquote von Abbruchmaterial sowie Asphalt und anderen Baumaterialien zu erhöhen und CO2-intensive Massentransporte zu verringern. Entscheidend für die Wiederverwendung von Materialien vor Ort sei dabei, dass diese nicht als Abfall eingestuft werden. Außerdem müssten die Möglichkeiten zur Lagerung von Ausbauasphalt erweitert werden.

Beim Einsatz von Recyclingmaterial im Bereich von Ingenieurbauwerken, wie z.B. Brücken, moniert die Kommission zu starke Einschränkungen im Rahmen der geltenden Regelwerke. Durch erweiterte Einsatzmöglichkeiten könnten Ressourcen unter Beibehaltung der Qualität geschont und die Recyclingquote erhöht werden.

Ersatzbaustoffverordnung vereinfachen

Die Kommission schlägt außerdem vor, die Anwendung der Ersatzbaustoffverordnung zu vereinfachen. Da die Einsatzmöglichkeiten von mineralischen Ersatzbaustoffen in Straßen und Brücken im Wesentlichen vom Grundwasserabstand und den darüber liegenden Bodenschichten abhängig seien, müssten bislang umfangreiche Baugrundgutachten erstellt werden. In ihrem Eckpunktepapier kündigen die Experten aus der Bau-, Verkehrs- und Entsorgungswirtschaft an, hierfür Alternativen zu schaffen. Demnach sollen vorhandene Daten und Fachinformationen zusammengefasst und eine praktische Arbeitshilfe zur Verfügung gestellt werden, mit der sich die Situation vor Ort einfacher beurteilen lasse. Außerdem werde die Kommission für klare Vorgaben sorgen, damit die Regeln zur Verwendung von Ersatzbaustoffen in ganz Hessen einheitlich angewendet werden. Ferner werde sich das Land auf Bundesebene dafür einsetzen, unnötige Dokumentationspflichten abzubauen und die vorgeschriebenen Untersuchungen zu vereinfachen.

Für Daniel Imhäuser, Geschäftsführer des Baurecyclingunternehmens Blasius Schuster und Vorstandsmitglied beim Entsorgerverband BDE, zeigt Hessen mit diesen Vorschlägen, wie der Infrastrukturbau vom Recycling profitiert. „Wenn wir Recyclingbaustoffe konsequent einsetzen, sparen wir Rohstoffe, CO2 und am Ende auch Kosten – bei vergleichbarer technischer Qualität.“ Zudem hob er die im Eckpunktepapier ebenfalls geplanten Schulungen für die Verantwortlichen von öffentlichen Baumaßnahmen hervor. Diese seien wichtig, damit Recyclingmaterial rechtssicher und selbstverständlich eingesetzt werde. „So kann Hessen bundesweit eine Vorreiterrolle für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft einnehmen“, sagte Imhäuser.

Das Eckpunktepapier der Kommission „Innovation im Straßenbau“ ist hier abrufbar.

- Anzeige -

Themen des Artikels
Kategorie des Artikels
- Anzeige -