Hersteller und Händler erwarten steigende Preise durch Recht auf Reparatur

Reparaturbonus: Geld in Berlin aufgebraucht, Neuauflage in Thüringen, vorerst keine Fortsetzung in Sachsen

Das geplante Recht auf Reparatur könnte laut einer Umfrage zu höheren Preisen für neue Elektro- und Haushaltsgeräte sowie für Reparaturen führen. Das geht aus einer Befragung des Kölner Handelsforschungsinstituts IFH hervor. Jeweils rund zwei Drittel der Fachhändler und der Hersteller erwarten demnach steigende Reparaturkosten – vor allem wegen teurerer Ersatzteile und mehr Personalaufwand. Hersteller verweisen außerdem auf zusätzlichen Personalaufwand und Extrakosten für die Lagerung von Ersatzteilen.

Ähnlich hoch ist der Anteil der Fachhändler, die davon ausgehen, dass die Preise für Neugeräte steigen, um die Reparaturkosten zu decken. Bei den Herstellern glaubt das nur ungefähr jeder Dritte.

„Die Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die Richtlinie potenziell zu erhöhten Reparaturpreisen führen und damit die mit ihr verbundenen Nachhaltigkeitsbemühungen wie die Reduzierung von Elektromüll konterkariert würden“, sagt IFH-Experte Ralf Deckers. Für die Studie wurden mehr als 4.100 Verbraucher, 164 Fachhändler und 20 Hersteller repräsentativ befragt.

Vielen Verbrauchern sind Reparaturen jetzt schon zu teuer

Die EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur gilt seit Mitte letzten Jahres und muss bis Juli 2026 in deutsches Recht umgesetzt werden. Hersteller bestimmter Geräte – wie Waschmaschinen, Kühlschränke oder Smartphones – müssen ihre Produkte künftig auch nach Ablauf der gesetzlichen Gewährleistung zu einem angemessenen Preis reparieren. Bei Reparaturen während der Gewährleistung verlängert sich die Haftung um ein Jahr. Das soll dazu beitragen, dass bestimmte Produkte länger genutzt werden und weniger Müll produziert wird. Nur 44 Prozent der befragten Verbraucher haben schon von diesem Recht gehört.

Die Branche erwartet eine wachsende Nachfrage nach Reparaturen. So geben drei von vier Händlern an, mit ihren aktuellen Kapazitäten kein höheres Reparaturvolumen stemmen zu können. Das liegt vor allem an fehlenden Fachkräften.

Schon heute sind Reparaturkosten für viele Kunden ein Hindernis, wie die IFH-Studie zeigt. Für 70 Prozent sind Reparaturen im Vergleich zum Neukauf häufig zu teuer. Für jeden Vierten hängt die Reparatur eines Gerätes stark von den Kosten ab. Akzeptiert werden durchschnittlich maximal 22 Prozent des Kaufpreises für ein Neugerät.

Reparaturbonus: Geld in Berlin aufgebraucht, Neuauflage in Thüringen, vorerst keine Fortsetzung in Sachsen

Zur Förderung der Gerätereparatur hatte sich der Verband kommunaler Unternehmen wiederholt für die Einführung eines bundesweiten Reparaturbonus ausgesprochen. Der VKU hatte sich dabei unter anderem auch auf die Erfolge der seit Jahren laufenden Förderprogramme in Thüringen und Sachsen bezogen.

In Thüringen ging der Reparaturbonus nach längeren Verhandlungen der im letzten Jahr neu gewählten Landesregierung Mitte Juni in die nächste Runde. In Sachsen hat sich die neue Regierung trotz eines positiven Zwischenfazits zum Reparaturbonus aufgrund fehlender Haushaltsmittel gegen die Fortsetzung des Förderprogramms entschieden, behält sich aber eine Neuauflage zu einem späteren Zeitpunkt vor.

Auch in der Bundeshauptstadt Berlin wurden Reparaturen von Geräten seit letztem September finanziell unterstützt. Laut früheren Mitteilungen stellte das Land dafür insgesamt 1,25 Mio € zur Verfügung. Diese Summe ist mittlerweile schon aufgebraucht. Aufgrund der großen Nachfrage könnten ab sofort keine weiteren Anträge mehr angenommen werden, erklärte der Senat diese Woche in einer kurzen Mitteilung.

Neben den Programmen auf Landesebene gibt es auch eine Reihe kommunaler Initiativen zur Förderung von Gerätereparaturen. Einer der Vorreiter war der Landkreis Starnberg. Das Förderprogramm des Kommunalentsorgers Awista läuft bereits im vierten Jahr. Für das laufende Jahr stehen dafür insgesamt 5.000 € zur Verfügung. Bezuschusst werden 20 Prozent der Reparaturkosten, maximal jedoch 50 € pro Person und Jahr. Seit dem Start des Programms im Jahr 2022 seien bereits fast 300 Anträge bewilligt worden, teilte Awista diese Woche mit. Bei den im letzten Jahr über das Programm geförderten Reparaturen entfiel etwas mehr als die Hälfte auf Großgeräte. 

Zusätzlich zum direkten Reparaturbonus werden in dem oberbayerischen Landkreis auch Reparaturen in Repair Cafés unterstützt, die nicht über das reguläre Antragsverfahren laufen. Im Jahr 2025 waren es bislang schon über 100 Reparaturen, im letzten Jahr sogar fast 300 Reparaturen mit einer Fördersumme von knapp 6.000 €, berichtet das Kommunalunternehmen weiter. (eigener Bericht/dpa)

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